RSV Lahn-Dill feiert ersten Titel der Saison

Da ist das Ding: RSV-Kapitän Michael Paye präsentiert Annabel Breuer den Pokal. (Foto: Weis)
Stehende Ovationen: Das Wetzlarer Publikum feiert den RSV. (Foto: Weis)

Behält die Oberhand: Dirk Köhler vom RSV Lahn-Dill im Duell mit den Hannoveranern (v.l.) Oliver Janz, Jan Sadler und Martin Kluck. (Foto: Weis)

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Brian Bell strahlte gemeinsam mit seinen Kindern in die Handykameras der Fans. Der Erfolg im Deutschen Pokal war sein erster Titel in Deutschland. „Genau für diese Momente bin ich hierhergekommen. Das ist einfach großartig, aber das macht Hunger auf mehr“, lächelte der US-Amerikaner, der im Sommer aus Italien an die Lahn gewechselt war.

Mit 74:35 (62:28, 41:24, 21:10) setzten sich die Wetzlarer am Sonntagnachmittag vor heimischem Publikum in der Sporthalle der August-Bebel-Schule gegen überforderte Hannoveraner durch. Es war nach dem 70:69-Verlängerungskrimi vom Vortag gegen die RSB Thuringia Bulls dennoch kein Spaziergang, denn die Gastgeber überrollten die United-Akteure mit ihrem Tempospiel.

Es war der 14. Pokalerfolg insgesamt für den RSV, der erste für Ralf Neumann als Cheftrainer des Seriensiegers – das spielte für ihn aber eine untergeordnete Rolle. „Ich freue mich einfach nur für das Team. Wir sind durch etliche Täler gegangen. Wir haben uns jedes Mal selbst wieder herausgezogen. Vor der Saison haben viele von außerhalb Bedenken geäußert. Aber es gilt: Am Ende kackt die Ente“, brachte er es in gewohnt direkter Art auf den Punkt.

Dem 54-Jährigen war dennoch anzumerken, dass eine ordentliche Portion Ballast von ihm abgefallen war. Es war eine Saison der Ungewissheiten: das Jahr eins nach der Ära Nicolai Zeltinger, ein Team im Umbruch und der Abgang von Weltklassemann Piotr Luszynski, der im Kollektiv aufgefangen wurde. Neumann wurde im Laufe der Saison nicht müde zu betonen, wie sehr er sein Team für Charakterstärke und Willen schätze. Diese Eigenschaften waren vor allem am Samstag entscheidend, als der RSV gegen die Spitzenmannschaft aus Elxleben ein grandioses Comeback feierte. Diese Eigenschaften kamen aber auch am Sonntag wieder zum Tragen, als der Rekordpokalsieger von der ersten Sekunde an klar machte, wo die Reise hingehen würde.

Beim 74:35-Sieg im Finale hat Gegner Hannover United um Joe Bestwick keine Chance

Der Bundesliga-Achte Hannover hatte überraschend die Dolphins Trier im Halbfinale ausgeschaltet, von einem weiteren Coup dürfte das Team um Ex-RSVler Joe Bestwick aber nicht einmal geträumt haben. „Es war eigentlich klar, dass wir nicht gewinnen würden. Ich bin aber trotzdem enttäuscht, wie wir gespielt haben, dass wir es nicht geschafft haben, den Zuschauern eine besseres Partie zu zeigen“, ärgerte sich der Brite an alter Wirkungsstätte – allerdings nur kurz. Seine Frau ist hochschwanger, erwartet in den nächsten Tagen ihr Kind. Da ist so eine Niederlage schnell wieder nebensächlich.

Bestwick kam am Ende auf sieben Punkte, der zweitbeste Scorer der Liga wurde von der Wetzlarer Defensive fast komplett aus dem Spiel genommen. Das war der Grundstein zum klaren Erfolg – und nach vorne ging es dann im Eiltempo. Im Idealfall waren schon im Moment der Balleroberung mindestens zwei RSV-Akteure auf dem Weg Richtung gegnerischem Korb. Mit dieser Hochgeschwindigkeit konnten die Füchse von der Leine nicht mithalten.

Beim 19:8 (8.) durch Hiroaki Kozai war der Vorsprung erstmals zweistellig, Nico Dreimüller schraubte die Führung mit vier Punkten in Serie zum 39:22 (18.) vor der Halbzeit weiter in die Höhe. Als Topscorer Thomas Böhme per Dreier zum 56:28 (27.) traf, hatte die Party auf der Tribüne längst begonnen. Der Rest war ein Schaulaufen – das aber bis zum Schluss konzentriert durchgezogen wurde.

„Das ist ein ganz spezielles Team. Wir können zusammen so stark sein. Dafür haben wir aber extrem hart gearbeitet. Jetzt den ersten Titel der Saison gewonnen zu haben ist unglaublich“, sagte Kapitän Michael Paye, der zum zehnten Mal die Trophäe in die Höhe reckte.

Die Feierlichkeiten liefen dann etwas gedämpft an, auch wenn Paye die Mannschaft zielsicher zur Theke führte und versicherte, dass noch das ein oder andere Bier getrunken werde. Die Zurückhaltung ist als Kampfansage nach Thüringen zu verstehen. Die Bulls gastieren am Samstag (19.30 Uhr) anlässlich der Finalserie um die Deutsche Meisterschaft wieder in Wetzlar – und Aliaksandr Halouski und Co. dürften mit Wut im Bauch kommen. Die Karten werden neu gemischt. Der Triumph im Pokal soll für den RSV nur ein Appetithäppchen sein. Die nächsten Gänge stehen zum Servieren bereit. „Morgen haben meine Spieler frei. Am Dienstag geht es dann um halb zehn in der Halle in Krofdorf weiter. Da freue ich mich schon richtig drauf“, lachte Neumann. Der Titelhamster RSV Lahn-Dill ist immer noch hungrig.


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