Serie der HSG Wetzlar reißt

Kopftreffer: Wetzlars Jannik Kohlbacher kommt nicht an Lemgos Torwart Piotr Wyszomirski vorbei. (Foto: Hagemann)

Banger Blick: HSG-Trainer Kai Wandschneider.  (Foto: Hagemann

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Sage und schreibe 15 Tore hatte der nach der laufenden Runde von der Lahn wieder zurück nach Leipzig wechselnde „Kanonier“ der Grün-Weißen erzielt, doch das war am Mittwochabend vor 4019 Zuschauern in der Lipperlandhalle schlichtweg zu wenig. Erstens, um die stolze Serie von sieben ungeschlagenen Bundesliga-Partien in Folge im achten Anlauf fortzusetzen. Zweitens, um nach all den Jahren des Wartens endlich einen Premierensieg beim Deutschen Meister von 1997 und 2003 zu feiern. Und drittens, um den inzwischen als Saisonziel ausgegebenen sechsten Platz vor den beiden Abschlussknallern gegen die Rhein-Neckar Löwen und in Flensburg bereits in trockene Tücher zu bringen.
„Es hat sich heute die Mannschaft durchgesetzt, die mehr Moral und mehr Kampfstärke bewiesen hat“, konstatierte HSG-Trainer Kai Wandschneider eine „absolut verdiente Niederlage. Ich habe Filip Mirkulovski und Evars Klesniks noch auf der Bank direkt nach dem Schlusspfiff gesagt: Ihr wart heute nicht da. Ich habe nur Philipp Weber, Jannik Kohlbacher und Kristian Björnsen gesehen, die das gegeben haben, was sie können“, lautete Wandschneiders Urteil. Über den Rest der Wetzlarer lässt sich der Mantel des Schweigens hüllen.

Die gute Nachricht, dass sich Björnsen nach seinem Muskelfaserriss in der rechten Wade wieder einsatzbereit meldete, wich im Hexenkessel Lipperlandhalle rasend schnell vielen schlechten aus Sicht der Gäste. Schien das 2:0 der Lemgoer durch „Hüne“ Azat Valiulin und Tim Hornke noch gelinde, brach das Unheil nach Philipp Webers Anschlusstreffer (3.) über die HSG herein. Vorne leisteten sich die Grün-Weißen einen haarsträubenden Fehler nach dem anderen, und hinten bekam die schwächelnde Abwehr um Evars Klesniks vor allem zwei Akteure der Lipperländer nicht in den Griff. Spielmacher Andrej Kogut flitzte wie ein Derwisch über das Feld und riss die Lücken, die dann in erster Linie Patrick Zieker zu nutzen wusste. Der Linksaußen wartete aus dem Positionsangriff mit einer fast hundertprozentigen Wurfquote in Hälfte eins auf und war obendrein hauptverantwortlich für die aus den vielen HSG-Patzern resultierenden Tempogegenstößen.

Als Björnsen in der elften Minute für Tobias Hahn ins Spiel kam, stand es nach einem Zieker-Hattrick bereits 7:2 für Lemgo. Der norwegische Vizeweltmeister führte sich zwar wenige Sekunden später mit einem Treffer gut ein, doch in der Folge sollte auch er macht- und auch ideenlos mitansehen, wie der Gegner weiter jede sich bietende Chance zum Toreerzielen ergriff. Nach dem 4:10 (15.) pfefferte der entnervte Benjamin Buric den Ball per Spannstoß noch einmal voller Frust ins eigene Netz und wich für Nikolai Weber. Der Kapitän machte es dann einen Tick besser, und vorne hielt Philipp Weber seine Farben im Rennen. Der Nationalspieler hatte gemerkt, dass es mit gezielten Anspielen auf Kreisläufer Jannik Kohlbacher an diesem Abend schwer war. Philipp Pöters Treffer zum 10:13 (27.) machte ein bisschen Mut, ehe Kogut und Christoph Theuerkauf den Rückstand noch vor dem Wechsel wieder auf fünf Tore anwachsen ließen.

Wandschneider moniert: „Heute hatten wir hier mit Philipp einen Alleinunterhalter im Angriff“

„Wir kommen dann super aus der Pause und auf 14:15 ran“, blickte Wandschneider auf die Minuten zurück, in dem sein Team den Bock hätte umstoßen können. Doch dann schlichen sich wieder die zuvor gemachten kleinen Fehler im Spiel der Grün-Weißen ein. Auf der anderen Seite verwandelte Tim Hornke stattdessen drei nicht gerade leichte Chancen von Rechtsaußen. TBV-Coach Florian Kehrmann wählte mit der Taktik des siebten Feldspielers schließlich ab Mitte der zweiten Hälfte und mit Blick auf die drohende Wende genau das richtige, um die Lemgoer zurück in die Spur zu bringen. „Keiner meiner Jungs hat einen Mitspieler alleine stehen lassen. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht haben“, sagte der Weltmeister von 2007, der aber schon in der Pressekonferenz zugab, den Schalter bereits auf die Auswärtspartie am kommenden Mittwoch in Hannover umgelegt zu haben.

An diesem Abend des 7. Juni empfängt die HSG Wetzlar in ihrem letzten Heimspiel der Saison die Rhein-Neckar Löwen. „Heute hatten wir hier mit Philipp einen Alleinunterhalter im Angriff. Gegen den Tabellenführer müssen alle, wirklich alle Gas geben“, forderte Kai Wandschneider, ehe er sich mit einem Milchkaffee Richtung Mannschaftsbus begab. Der Coach wusste: Ein Weber war in Lemgo zu wenig – und wird es auch gegen den Deutschen Meister sein.

Lemgo: Wyszomirski, Maier (ab 47.) – Mansson (1), Kogut (3), Theuerkauf (5/1), Hornke (6/2), Suton (4), Lemke, Valiulin (1), Klimek, Zieker (9), Ramba, Skroblien, Zerbe.
Wetzlar: Buric, Nikolai Weber (15. bis 45.) – Kneer, Björnsen (3), Pöter (1), Mirkulovski, Philipp Weber (15/3), Hahn, Kvist (1), Klesniks, Lindskog, Cavor (3), Kohlbacher (3).
Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen) – Zuschauer: 4019 – Zeitstrafen: Lemgo sechs (Mansson, Kogut, Hornke, Valiulin, Klimek zwei), Wetzlar fünf (Björnsen, Mirkulovski, Hahn, Kvist, Klesniks) – verworfener Siebenmeter: Hornke (Lemgo) wirft übers Tor (29.).


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