Krimi zwischen Ringen und Reck

Gelungener Einstand beim Turnteam: Moritz Bulka, hier an den Ringen. Foto: Wißner

Turnteam Linden behält in hoch spannendem Wettkampf gegen die TSG Grünstadt die Nerven und das bessere Ende für sich. Zweiter Erfolg bei zweitem Auftritt in 2. Bundesliga.

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LINDEN . LINDEN (ee). Es war so etwas wie die Rückkehr des vor 41 Jahren verstorbenen Alfred Hitchcock. Kein anderer Name steht mehr als Synonym für spannende Unterhaltung - und diese wurde den 120 Zuschauern in der Lindener Stadthalle beim ersten Heim-Wettkampf des Turnteam Linden in der 2. Turn-Bundesliga geboten. Gegen die ebenfalls mit einem Auftaktsieg angereisten Gäste der TSG Grünstadt machten die Schützlinge von Trainer Christian Hambüchen es den Zuschauern nicht gerade leicht. Nämlich als es zum Ende hin nach einer respektablen Halbzeitführung von 26:10 zu einem Thriller wurde und das Turnteam vor den letzten beiden Reckübungen in Rückstand geriet - aber dann gute Nerven bewies.

Während die bei den Gästen flatterten, präsentierte sich ein später auch mit dem Scorer-Shirt ausgezeichneter Joshua Jack Williams Meehan von seiner besten Seite und sicherte gemeinsam mit Schlussturner Moritz Bulka einen in der Höhe nicht mehr erwarteten 44:30 Punktsieg.

Bei den Geräten gab es dagegen einen Gleichstand, siegten beide Teams an jeweils drei Geräten. Für die Lindener gab es dabei ein Wiedersehen mit Lasse Gauch, der einst zu Drittligazeiten für das Turnteam an den Start gegangen war. "Das war eine Super-Nummer. Ich habe selten einen so spannenden Wettkampf bis ganz zum Schluss erlebt", zeigte sich einTrainer Hambüchen sichtlich begeistert von dem, was den Zuschauern in fast dreistündigem Wettkampf geboten worden war. "Wir haben uns heute nur ganz wenige Schwächen geleistet - und sicher die besseren Nerven gehabt. Ich bin einfach super zufrieden", so Hambüchen.

Angesichts von noch nie dagewesenen zwei Siegen zu Saisonbeginn in der 2. Bundesliga Nord ein Traumstart, der nun bereits das Saisonziel "Nicht-Abstieg" vergessen lässt. Das Turnteam legte durch Kapitän Tim Pfeiffer, Neuzugang Nico Köhler, Moritz Bulka und Tom Bobzien am Boden einen fulminanten Start hin, erhielt das Quartett doch elf Punkte und verwies die Gegner in die Schranken. Am Pferd setzte sich die Siegesserie durch Yumito Nishiura fort, bevor es Vlad Bogdan Cotuna war, der die Lindener Siegesserie durchbrach und im Duell mit Nico Köhler drei Punkte für Grünstadt eroberte. Doch Joshua Jack Williams Meehan und Florian Arendt bauten den Vorsprung nach zwei Geräten weiter aus. Auch an den Ringen punkteten zunächst Köhler und Meehan und brachten das Turnteam mit 26:3 in Führung. Doch dann konterten die Grünstädter, war es der Rumäne Cotuna, der zur Aufholjagd blies. Gemeinsam mit Justus Fröhlich sicherte er den Gerätesieg an den Ringen für Grünstadt, trotz einer sicheren Halbzeitführung der Gastgeber. Diese patzten beim Sprung, das Gerät ging mit 0:7 verloren. Zu einem ersten Showdown kam es am Barren, an dem Nico Köhler drei Punkte einfuhr, während Lasse Gauch sein Duell gegen Williams Meehan gewann, der nach einer fehlerfreien Übung beim erstmals gezeigten Abgang Doppelsalto mit halber Drehung patzte. Nach einem Unentschieden von Yumito Nishiura am Reck war es beim zweiten Duell Köhler, der bei seiner Tkatschow-Grätsche danebengriff, das Gerät verlassen musste und Grünstadt erstmals mit 30:29 in Führung ging. Noch zwei Reckduelle standen aus, Nerven waren gefragt - und die zeigte Meehan, turnte eine saubere Nummer, fuhr fünf Punkte ein. Der Druck auf Justus Fröhlich als Schlussturner von Grünstadt war zu groß. Gleich dreimal musste er das Gerät verlassen. Neuzugang Moritz Bulka, der einen tollen Einstand feierte, veredelte sein Debüt mit zehn Punkten als letzter Turner. "Wir haben einen tollen Wettkampf gesehen", fasste Hallensprecher Tom Pfeiffer bereits vor der letzten Wertung zusammen, als der Jubel beim Turnteam über den eigentlich nicht erwarteten zweiten Saisonerfolg groß war. Allerdings gibt es zwei Wermutstropfen zu vermelden, denn Gästeturner Cotuna zog sich nach einem missglückten Sprung eine schwere Knieverletzung zu. Das Trunteam muss indes auf seinen schwedischen Olympiateilnehmer David Rumbutis zunächst verzichten. Er geht vom 18. bis 24. Oktober bei der Turn-WM in Kitakysh/Japan an den Start.