Meinung

Kommentar zum Handel mit China: Illusionslos

Karl Schlieker
Portalkräne heben Container auf Transporter in einem Hafen in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong.
© Uncredited/CHINATOPIX/dpa

Die deutsche Wirtschaft betont den Stellenwert des Handels mit China. Aber Europa darf sich keine Illusionen machen und muss Abhängigkeiten reduzieren.

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Der Verzicht auf Handel mit China bringt keinen positiven Wandel. Dieser Standpunkt des Deutschen Industrie- und Handelstags ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft nachvollziehbar. Aber auch umgekehrt gilt: Handel mit China bringt keinen positiven Wandel. Der Einfluss auf die Diktatur in Peking ist nüchtern gesehen so oder so äußerst begrenzt. Deutschland muss deshalb die chinesische Strategie analysieren und daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. China verfolgt eindeutig das Ziel politischer und wirtschaftlicher Stärke und Unabhängigkeit. Dazu passen die neutrale Haltung gegenüber Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ebenso wie die Territorialansprüche im Süd- und Ostchinesischen Meer und zahlreiche Rohstoffabbauprojekte in Afrika. Damit verbunden sind die Projekte „Made in China 2025“ und „Neue Seidenstraße Initiative“. Mit dem Aufbau von Infrastruktur will China die Wirtschaftsräume Asien, Europa und Afrika verbinden, um sich Aufträge sichern und neue Märkte für seine Produkte zu erschließen. Chinas Exportkontrolle für die seltenen Metalle Gallium und Germanium im Handel mit den USA zeigt die Machtfülle Pekings. Was folgt daraus für Deutschland und Europa? Es geht nicht darum, die politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zu China zu kappen. Europa darf sich aber keine Illusionen über Chinas machtpolitische Ziele machen, sondern muss die eigenen Interessen sichern. Der „Critical Raw Materials Act“ der EU, der die Versorgung mit Rohstoffen sichern und Abhängigkeiten reduzieren soll, ist ein erster zaghafter Schritt. Das Programm sollte dringend mit Leben gefüllt werden, bisher ist es eher eine politische Absichtserklärung. Deutschland muss im Verbund mit Europa auf Chinas Dominanzstrategie reagieren.