C+P hofft weiter auf die Schiene

aus Christmann + Pfeifer

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Die Holzverladestelle bei Breidenstein ist nach Angaben der Kuhessenbahn 2017 und 2018 nicht genutzt worden. Der weitere Betrieb der Strecke bis zur Firma Christmann & Pfeifer sei nicht wirtschaftlich. Geprüft wird aber ein Bahnanschluss ans Industriegebiet in Breidenstein.   Foto: Adel

Der Bahnanschluss der Industriebau-Firma Christmann & Pfeifer (C+P) wird voraussichtlich nicht reaktiviert. Das hat die Kurhessenbahn auf Anfrage dieser Zeitung...

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Breidenbach/BIEDENKOPF. Der Bahnanschluss der Industriebau-Firma Christmann & Pfeifer (C+P) wird voraussichtlich nicht reaktiviert. Das hat die Kurhessenbahn auf Anfrage dieser Zeitung mitgeteilt. Auch die Holzverladestelle Breidenstein wird nicht mehr genutzt.

Nach Angaben von Hans-Martin König, Leiter Infrastruktur bei der Kurhessenbahn in Kassel, ist ein wirtschaftlicher Betrieb den Nebenstrecke Wallau-Breidenstein "bei dieser geringen Nutzung nicht machbar. Meines Wissens wird das Projekt Gleisanschluss C+P auch nicht weiter verfolgt."

Jährlich werden in dem Breidenbacher Werk von Christmann & Pfeifer 20 000 Tonnen Stahl verarbeitet und verladen. Die beiden Kräne der neuen Produktionshalle könnten die produzierten Teile nicht auf Lastwagen, sondern auch auf Bahnwaggons verladen.

Das Unternehmen produziert unter anderem Teile für das "Preflex"-Parkhaus, ein in Modulbauweise errichtetes Parkdeck. Die Nachfrage dafür ist nach Unternehmensangaben groß;.

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Das Unternehmen hatte im Februar mitgeteilt, dass die Möglichkeit der Reaktivierung des Gleisanschlusses geprüft werde. Die Scheldetalbahn, die einst von Wallau bis Dillenburg führte, endet in Breidenbach. Ab 2003 fuhr dort kein Güterzug mehr. Seitdem enden die Gleise bei Christmann & Pfeifer.

Wegen der Bedeutung des Anschlusses wolle man weiter das Gespräch mit der Bahn suchen, sagte Marketing-Referentin Nicole Pfeifer auf Nachfrage dieser Zeitung. Verhandlungspartner sind allerdings nicht die Vertreter der Kurhessenbahn, sondern verschiedene Stellen bei der Deutschen Bahn.

Das Unternehmen Christmann & Pfeifer sieht im fehlenden Gleisanschluss einen Standortnachteil

Nicole Pfeifer betonte, man könne zwar den Hinweis auf die fehlende Wirtschaftlichkeit nachvollziehen. Allerdings sei es ja auch ein politischer Wille, mehr Güter von der Straß;e auf die Schiene zu bringen. "Der Gleisanschluss wäre für uns ein echter Standortvorteil", und im Umkehrschluss sei die fehlende Verbindung ein Nachteil für das Unternehmen. "Deshalb wollen wir das Thema noch nicht aufgeben." Deshalb sei die neue Halle so konzipiert worden, dass von dort auch auf Gleise verladen werden könnte. "Für bestimmte Teile bietet sich die Schiene mehr an als die Straß;e."

2007 war wenige hundert Meter weiter nahe Breidenstein eine Holzverladestelle eingerichtet worden. Nach dem Sturm Kyrill würden dort Holzzüge beladen. Das sei seines Wissens nach aber 2017 und 2018 nicht mehr passiert, erklärte Hans-Martin König. 2017 habe Christmann & Pfeifer die Ladestelle für den Transpot von Betonfertigteilen für ein Projekt in Bayern genutzt, ein weiteres Projekt sei über die Straß;e mit Lastwagen abgewickelt worden.

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Bei Christmann & Pfeifer befindet sich noch ein alter Bahnübergang über die Boxbachstraß;e in Richtung Wiesenbach. Dort befindet sich die Fahrbahn in schlechtem Zustand, im Bereich der Gleise gibt es tiefe Löcher. Es habe bereits vor zwei Jahren Gespräche mit dem Landkreis über eine Sanierung gegeben, berichtete Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) auf Anfrage dieser Zeitung.

Das sei aufgeschoben worden, weil die Reaktivierung des Gleisanschlusses im Raum stand. Falls die tatsächlich nicht erfolge, werde man erneut das Gespräch suchen und an den Kreis herantreten. Dabei sei auch die Verkehrssicherheit ein Thema, denn im Winter bei Schnee und Eis könnten die Unebenheiten zu gefährlichen Situationen führen.

Nach Königs Angaben wolle die Stadt Biedenkopf das Industriegebiet Breidenstein erweitern und mit einem neuen Anschluss versehen. "Die Gespräche, wie man die Kreuzung Straß;e/Schiene herstellen kann, sind noch nicht abgeschlossen", erklärte er.

HOLZVERLADESTELLE

Nach dem Sturm Kyrill mussten groß;e Mengen an Holz abtransportiert werden. Der ungenutzte Verladebahnhof wurde zum 1. April 2007 reaktiviert. Mit finanzieller Unterstützung durch das Hessische Landesamt für Straß;en- und Verkehrswesen hat die Stadt Biedenkopf in den Ausbau etwa 250 000 Euro investiert. 2007 rollten 132 Züge, 2008 waren es 123 Züge mit insgesamt 280 000 Festmetern Sturmholz. Zeitweise wurde Holz nicht nur abtransportiert, sondern auch für ein Sägewerk angeliefert. 2009 wurden aber nur noch 49 Züge abgewickelt, dann sank die Zahl immer weiter – mittlerweile auf null Züge. (mad)