Geld vom Land fließt in die Kindergärten

aus Gemeinde Löhnberg

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Ab heute ist die Betreuung von Kindergartenkindern in ganz Hessen für sechs Stunden kostenfrei. In Löhnberg müssen Eltern bereits seit acht Jahren weder für Krippen- noch...

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Löhnberg. Ab heute ist die Betreuung von Kindergartenkindern in ganz Hessen für sechs Stunden kostenfrei. In Löhnberg müssen Eltern bereits seit acht Jahren weder für Krippen- noch für Kitaplätze zahlen. Aber auch dort wird sich durch zusätzliches Geld vom Land etwas ändern.

135,60 Euro – so viel zahlt das Land künftig den Kommunen für die Betreuung von Drei- bis Sechsjährigen zusätzlich. Damit sollen die Kita-Beiträge der Eltern für die ersten sechs Stunden pro Tag entfallen. Manch eine Kommune hat diesen Vorstoß; aus Wiesbaden dazu genutzt, die Eltern weiter zu entlasten – beispielsweise durch reduzierte Kosten für unter Dreijährige oder den kompletten Wegfall der Elternbeiträge.

In Löhnberg beobachtet man die Entwicklung gelassen. Gebührenfreie Betreuung ist dort ein alter Hut. Seit 2010 müssen Eltern nichts für die Betreuung bezahlen. Lediglich Kosten für das Mittagessen (3,50 Euro pro Tag) und Materialien (fünf Euro im Monat) werden fällig.

Neu ist auch die Aufteilung der Gruppen in der Kita "Habakuk" nach den Sommerferien

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Vom finanziellen Geschenk des Landes sollen aber auch die Familien in Löhnberg profitieren. 180 000 bis 200 000 Euro bekomme die Gemeinde im Jahr zusätzlich aus Wiesbaden, erklärt Bürgermeister Frank Schmidt (SPD). Das Geld will er in die beiden Kindertagesstätten in Löhnberg und Niedershausen investieren.

So soll der Kindergarten "Habakuk" in Löhnberg ab 1. November mit Anne Gramfort eine Sekretärin erhalten. Im Niedershäuser Kindergarten "Kleine Strolche" wird Ulrike Schneider diesen Job ab 1. September übernehmen. Die Sekretariate sollen vormittags besetzt sein und die Erzieher entlasten. Will heiß;en: Wenn Eltern anrufen, um das Kind krankzumelden oder für das Mittagessen abzumelden, oder um Bescheid zu geben, dass der Sohnemann den Turnbeutel vergessen hat, dann sollen dafür nicht mehr die Erzieherinnen geholt werden. "Es geht darum, dass die Arbeit in den Gruppen nicht gestört wird", sagt Schmidt.

Das wird nicht die einzige Veränderung in den beiden Einrichtungen sein. Die Öffnungszeiten werden erweitert. Laut Schmidt sollen berufstätige Eltern ab 1. Oktober ihre Kinder bereits eine halbe Stunde früher – ab 7 Uhr – in die Kita bringen können. In Löhnberg wird eine Gruppe früher öffnen, in Niedershausen eine Kindergartengruppe und die Krippe. Das sei ein weiterer Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagt Schmidt. Sein Ziel: Die Kinderbetreuung von 6.30 bis 17 Uhr anzubieten. An beiden Standorten kommt jeweils eine Erzieherin hinzu.

Neu ist die Aufteilung der Gruppen in der Kita "Habakuk". Wie Schmidt erklärt, wird es nach den Sommerferien eine Krippengruppe für Einjährige geben sowie eine Vorschul- und vier altersübergreifende Gruppen. Bei Letzteren werde weiter unterschieden: Die Zweijährigen, die trocken sind und sich mitteilen können, sollen mit älteren Kindern zusammenkommen, und die Zweijährigen, bei denen mehr Betreuungsaufwand besteht, sollen zusammengefasst werden. So sollen die Erzieherinnen stärker auf die Bedürfnisse der jeweiligen Altersgruppe eingehen können. Möglich sei das nur dank der Größ;e der Einrichtungen, sagt er. "Bei kleinen Kitas mit nur zwei Gruppen wäre das nicht leistbar."

103 Kinder werden in der Kita "Habakuk" betreut, davon 22 unter Dreijährige. In Niedershausen besuchen 73 Kinder die "Kleinen Strolche", davon 22 U 3-Kinder. Laut Schmidt liegt die Betreuungsquote bei den Kindergartenkindern bei 100 Prozent, bei den unter Dreijährigen bei etwa 70 Prozent. Hinzu komme der Nachwuchs aus Nachbarkommunen, zwischen zehn bis 20 Kinder pro Jahr. In Löhnberg können Eltern wählen zwischen einem Ganztagsplatz, einem Vormittagsplatz ohne Essen und einem Vormittagsplatz mit zehn Nachmittagen pro Monat. Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung nimmt Schmidt zufolge zu.

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Mit der Einführung der Gebührenfreiheit sei die Nachfrage nach Betreuungsplätzen stark gestiegen, erklärt Schmidt. Binnen Jahresfrist zunächst bei den Drei- bis Sechsjährigen, seit zwei, drei Jahren nun auch verstärkt bei den Kleinkindern. Für Schmidt ist das eine logische Folge der Gebührenfreiheit, die er auch für die Kommunen erwartet, die ab heute teilweise oder ganz die Elternbeiträge abschaffen. "Wo bisher vielleicht 30 Prozent der U 3-Kinder betreut werden, werden plötzlich mehr kommen. Die Familien stehen auf der Matte, sobald es kostenfrei ist", ist er überzeugt. Die Folge: Es muss investiert werden – in die räumlichen Kapazitäten und ins Personal.

Drei Millionen Euro seien in den Ausbau der beiden Löhnberger Einrichtungen in den vergangenen acht Jahren geflossen, rechnet Schmidt vor. Derzeit wird in Niedershausen die Mensa angebaut. Ein neuer Gruppenraum ist in Planung. In der Kita "Habakuk" in Löhnberg wäre noch ein siebter Gruppenraum vorhanden.

Auch die Ausgaben für Personal sind kontinuierlich gestiegen. Von drei Millionen Euro Personalkosten der Gemeinde sei etwa die Hälfte für das Kita-Personal eingeplant. Mehr Stellen und Tariferhöhungen spielen dabei die Hauptrolle.

Von Olivia Heß