„Grottenschlecht“ bleibt Realität

aus Stadt Wetzlar

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"Grottenschlecht" nennt die Vorsitzende des Fahrgastbeirats die Situation im Busverkehr in Wetzlar und dem Lahn-Dill-Kreis am Abend. So schnell wird sich daran allerdings nichts...

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Wetzlar/Dillenburg. "Grottenschlecht" nennt die Vorsitzende des Fahrgastbeirats die Situation im Busverkehr in Wetzlar und dem Lahn-Dill-Kreis am Abend. So schnell wird sich daran allerdings nichts ändern.

In der jüngsten Sitzung des Beirates kritisierte Barbara Boecher die Situation im abendlichen Busvekehr als völlig ungenügend. Die Lebensverhältnisse vieler Menschen hätten sich geändert. Es gebe heute riesige Einkaufsmärkte, sagte Boecher zum Beispiel mit Blick auf Ikea in Wetzlar, und fügte an: "Aber weder Kunden noch Beschäftigte haben eine Möglichkeit, dort mit dem ÖPNV hinzukommen." Wer die neuen Spätzüge aus Frankfurt nutzen wolle, die seit Dezember in den Lahn-Dill-Kreis fahren, der sei auf das Taxi angewiesen. Ein Busanschluss bestehe nicht.

Stadt und Kreis arbeiten an neuen Plänen – für mehr Busse muss die Politik aber mehr Geld bereitstellen

Die Mängel sind bekannt. "Die Probleme in den Schwachverkehrszeiten stehen in unserem Nahverkehrsplan", sagte Manfred Schieche von der Lokalen Nahverkehrsbehörde der Stadt Wetzlar. Allein es hängt am Geld. Schieche rechnete vor, dass eine Taktverdichtung auf der wichtigen Linie 12/13 in Wetzlar von 20 auf 15 Minuten mit etwa 400 000 Euro Mehrkosten kalkuliert werde. Ein Halbstundentakt bis 22.30 Uhr werde gewiss ebenfalls eine sechsstellige Summe kosten.

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Ab etwa 21 Uhr läuft der Betrieb der Wetzlarer Stadtbusse langsam aus. Es gibt noch Fahrten, aber keinen regelmäß;igen Takt mehr. Auf den Überlandlinien, die im Auftrag des Kreises von der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil (VLDW) organisiert werden, ist die Situation ähnlich. Ausnahmen gibt es auf den starken Linien. Die 312 nach Hüttenberg und die 185 nach Braunfels führen sogar bis 23 Uhr, erläuterte VLDW-Mitarbeiterin Simone Friedrich. "Wir könnten das Angebot ausweiten, doch das kostet Geld. Das muss die Politik beschließ;en."

Wird sie das? Für Wetzlar verwies der zuständige Stadtrat Norbert Kortlüke (Grüne) auf die Neuaufstellung des Nahverkehrsplanes. Mit dem werde man sich erst ab 2020 beschäftigen, weil für den Bereich Mobilität bei der Stadt nur eine Stelle vorgesehen sei und momentan die Arbeit am Fuß;- und Radwegekonzept im Vordergrund stehe. "Wir sind eine wachsende Stadt und müssen mit dieser Situation umgehen", sagte Kortlüke und verwies auf den Bau der Domhöfe in der Altstadt, die ein Kino enthalten sollen. Dies werde Menschen vor allem am Abend und dem Wochenende in die Stadt bringen. "Da werden wir uns grundsätzliche Gedanken machen müssen."

Auch im Kreis läuft laut Friedrich die Vorbereitung eines neuen Nahverkehrsplanes. Er soll bereits Ende 2019 fertig sein, kündigte der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber (Grüne) an. Er hofft auf den Bund. Es wäre schön, sagte Schreiber, wenn mit Blick auf den Klimaschutz aus Berlin "das ein oder andere Sümmchen" in den Nahverkehr fließ;e.

Mit dem ließ;e sich dann noch ein anderes Loch stopfen: Auch sonntags ist der Busverkehr im Lahn-Dill-Kreis schwach auf der Brust. Schieche sprach in Wetzlar auf einigen Strecken von einen Zweistundentakt.