Haben Sie heute schon gepitched?

aus Schneider GmbH & Co. KG

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„Es geht immer um würdevollen Umgang miteinander“, nennt Gunter Schneider eine wichtige Voraussetzung, um in einem Unternehmen Erfolg zu haben.   Foto: Bünger

Haben Sie heute schon "gepitched"? Oder sich mit ihren Ideen dem "judging panel" gestellt? Am Ende gar ein wenig "smart money" eingesammelt? Nicht? Dann gehören Sie wohl nicht...

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Biedenkopf. Haben Sie heute schon "gepitched"? Oder sich mit ihren Ideen dem "judging panel" gestellt? Am Ende gar ein wenig "smart money" eingesammelt? Nicht? Dann gehören Sie wohl nicht zur Startup-Szene – anders als die Besucher einer Veranstaltung in der THM Biedenkopf.

Gemeinsam mit dem Regionalmanagement Mittelhessen hatte Martin Lacroix zum "Startup Melt" nach Biedenkopf eingeladen. Der Gieß;ener, selbst Gründer eines Software-Startups, hat es sich zum Ziel gesetzt, der Szene junger Unternehmer in der Region Auftrieb zu verleihen. Gelingen sollte dies während der zweistündigen Veranstaltung durch Interviews: zum einen mit einem jungen Gründer, zum anderen mit einem gestandenen Unternehmer.

"Meine Eltern haben immer gesagt: Sohn, gründe eine Firma, sonst musst du so hart arbeiten wie wir"

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Sein erster Gesprächspartner ist Michael Lukaszczyk. Was der 29-Jährige von sich erzählt, klingt ein wenig wie das Mensch gewordene Nerd-Klischee. "Ich war das Computerkind", berichtet der Gründer, "das immer am Rechner saß;". Klar, das ein Informatikstudium folgte. Schon die erste Arbeitsstelle nach seinem Master mochte ihn nicht so recht befriedigen. Zu alt war ihm der technische Stand, er wollte mit der neuen Technik aus der Java-Skript-Welt arbeiten.

Und überhaupt habe er schon immer gründen wollen, sagt der gebürtige Pole und erzählt eine Anekdote aus seiner Kindheit: "Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben gesagt: Sohn, gründe eine Firma, sonst musst du so hart arbeiten wie wir."

Die Geschäftsidee kam ihm, als er einen Blog las: Da war von einem Headless Content Management System die Rede. Also einem System, das Inhalte nicht nur für eine Internetseite bereitstellt, sondern es möglich macht, die Inhalte auf verschiedenen Plattformen zu veröffentlichen. Michael Lukaszczyk bemerkte, dass noch keiner nach dem neuen Schnittstellenstandard arbeitete und machte sich ans Entwickeln. Das war die Geburtsstunde der Firma GraphCMS.

Was dann bei Lukaszczyk folgt, ist wieder stark durchsetzt, von der typischen Startup-Terminologie: Nach der Beta-Phase wurde das "product" im August 2017 "gelaunched". Der Gründer kam so an "smart money", also nicht nur an finanzielle Unterstützung, sondern auch an passendes "Knowhow". Im März dieses Jahres endete die "Seed-Phase": Ein funktionsfähiger Prototyp lag vor. Dass er infolge des "Venture capitals" in siebenstelliger Dollarhöhe längst nicht mehr alleiniger Eigner ist, stört den Gründer nicht: "Am Ende ist die Frage, wie groß; der Kuchen ist, und nicht, wie viel Anteil man am Kuchen hat."

Sieben Menschen arbeiten inzwischen in der kleinen Gieß;ener Firma, zwei bis drei weitere Stellen sind für dieses Jahr geplant. "Officegebunden" ist das in dieser Branche längst nicht mehr: Einer sitzt in Stuttgart, ein anderer in Warschau, neue Leute werden international gesucht. Befragt nach seinen "key learnings", hält sich Lukaszczyk zurück. Diese Frage könne er vielleicht in einigen Jahren beantworten.

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Das sieht bei Gunter Schneider anders aus. Dessen Firma Schneider Optik – einst in Quotshausen, heute in Fronhausen angesiedelt – schaut auf eine mehr als 30-jährige Geschichte zurück. Das Unternehmen mit vier Standorten in Deutschland und 14 Niederlassungen weltweit zählt heute in seinem Bereich zu den Weltmarktführern. Woran das liegt, lässt sich kurz zusammenfassen: an Schneiders Liebe zu Innovationen.

Offenheit für neue Ideen und groß;es Vertrauen im Team sind für Gunter Schneider eine wichtige Basis

"Ich habe immer Ideen, wie man Dinge anders machen kann", erzählt Schneider im Gespräch mit Martin Lacroix. Und anders heiß;t für ihn vor allem besser. Als er noch Angestellter war, erzählt der Firmenchef, habe er oft den Eindruck gehabt, dass viele Firmen nichts anderes tun würden, um ihr Geld zu verdienen, als bestehende Produkte günstiger zu machen. Seine Leidenschaft sei dagegen immer gewesen: Neues entwickeln, das so gut ist, dass es seinen Markt findet. Mit diesem Ansatz ist die Firma weltweit erfolgreich: Produziert wird ausschließ;lich in Deutschland, 95 Prozent des Umsatzes kommen dagegen aus dem Ausland.

Als wesentlich für den Erfolg sieht Schneider die Wertestruktur und das Klima in der Firma an. Es seien immer andere Menschen, mit denen man gemeinsam Erfolg habe. Vertrauensvoll und ehrlich müsse der Umgang im Team daher sein. "Ein ganz hohes Gut ist die Ehrlichkeit", sagt Schneider. Wichtig sei auch, dass die Mitarbeiter am richtigen Platz arbeiten; man müsse sie dort einsetzen, wo sie ihre Talente am besten einsetzen und entwickeln können.

Zu den Punkten, die für ihn zu den "key learnings" zählen, gehört auch eine sehr hohe Offenheit für neue Ideen. "Jede Idee, die hochkommt, ist erst einmal eine Idee", sagt Gunter Schneider zum Stichwort Innovationsmanagement. Man müsse wegkommen vom Bedenkenträgertum, das jeden neuen Gedanken kritisch beäugt. Dieser offene Gedankenaustausch findet nach seiner Erfahrung oft nicht in festen Strukturen statt. "Sehr häufig werden Entscheidungen auf dem Flur getroffen", sagt er. Das aber – und da schließ;t sich für ihn der Kreis – erfordere den vertrauensvollen, ehrlichen Umgang in einem Team, in dem auch Kritik offen zur Sprache bringen kann.

Im Anschluss an die Interviews bestand bei einem Imbiss noch Gelegenheit zum Austausch. Denn auch darum geht es in der Startup-Szene: ums Networking.