Patienten lächeln sehen

aus Lahn-Dill-Kliniken

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Früher hießen sie Krankenschwestern, heute werden sie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen genannt. Denn der Beruf beschränkt sich keineswegs auf das Ausleeren von...

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Wetzlar. Früher hieß;en sie Krankenschwestern, heute werden sie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen genannt. Denn der Beruf beschränkt sich keineswegs auf das Ausleeren von Bettpfannen. Im Gegenteil: Die entscheidende Komponente ist die Gesundheit.

Wenn andere Menschen sich im Bett noch einmal umdrehen, schlüpfen Jessica und Amina schon in Kasack, Hose und Schuhe. Es ist zwanzig vor sechs, die beiden Gesundheits- und Krankenpflegeschülerinnen der Lahn-Dill-Kliniken Wetzlar haben Frühschicht. Los geht es erst um Punkt sechs, doch "da sind wir schon fertig angezogen", erklärt Jessica, die mit 35 Jahren ihren Beruf als Dolmetscherin aufgegeben hat. "Ich habe den täglichen Umgang mit Menschen im Beruf gesucht." Und sie hat ihn gefunden. Wie auch Amina (20), für die es immer wieder toll ist, den Prozess zu erleben, wenn "jemand krank kommt und dann gesund entlassen wird". Beide Auszubildenden nehmen teil am Projekt "Zeitung und Ausbildung in Hessen" (s. Kasten).

Sechs Uhr morgens: Die Frühschicht beginnt mit der Übergabe. Was war los in der Nacht? Wer wird heute entlassen? Wer operiert? Nicht fehlen darf dabei der mehrfarbige Kugelschreiber in der Kasack-Tasche, mit dem alles dokumentiert wird. Nicht nur, dass der Frühdienst in blau, der Spätdienst in grün und die Nachtschicht in rot dokumentiert, auch Puls, Temperatur oder Blutdruck haben eigene Farben. "Das dient der Übersichtlichkeit, so finden sich alle sofort zurecht", sagt Amina. Zwischen halb sieben und sieben schnappen sich Amina und Jessica Waschschüssel und Handtücher, Blutdruckmanschetten und Thermometer und wecken die Patienten.

Eine Stunde später gibt es Frühstück, einige Patienten werden vorher, andere nachher gewaschen – je nachdem, wie es die Zeit erlaubt. Manchmal ist Visite schon vor dem Frühstück. "Dann machen wir gleich einen Verbandswechsel, wenn der Arzt die Wunde sehen will", erklären Amina und Jessica. Ansonsten werden die Patienten nach dem Frühstück weiter versorgt.

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Kontrolle von Infusionen, Verbände wechseln und Visiten mit ausarbeiten

"Bei einigen Menschen müssen wir beim Essen helfen, es klein schneiden oder anreichen", sagt Amina – Zeit, die sich beide gerne nehmen. Passiert nichts Unvorhergesehenes, haben Amina und Jessica zwischen neun und halb zehn Zeit für eine eigene kleine Frühstückspause.

Infusionen kontrollieren, die Visite mit ausarbeiten, dokumentieren, Patienten zu Untersuchungen anmelden, den Hol- und Bringdienst informieren, wenn ein Patient nicht selbstständig zum Röntgen oder EKG kommt, Blutzucker messen, alle zwei Stunden bettlägerige Patienten positionieren – es gibt viel zu tun auf den Stationen.

Manchmal sieht eine Wunde beim Verbandswechsel nicht nur schlimm aus, sondern riecht auch unangenehm. "Das muss man aushalten, wenn man diesen Beruf wählt", gibt Jessica zu bedenken. Beiden macht es nichts aus, auß;erdem "haben wir kleine Hilfsmittel", sagt Amina. Zum Beispiel Pfefferminzöl, das man sich vor dem Verbandswechsel unter die Nase reiben kann.

Diese Tipps bekommen sie unter anderem in der Krankenpflegeschule. "Wir nehmen viel aus der Schule mit, lernen aber auch sehr viel auf der Station", sagen die Schülerinnen. "Das ist ein positives Miteinander", erklärt Karin Rink, Koordinatorin der Praxisanleitung in den Lahn-Dill-Kliniken. Sie leitet mit ihren Kollegen die Schülerinnen unter anderem auch an, die Patienten selbstständig einzuschätzen. Theoretisch in der Schule, ganz praktisch auf Station. Auch das ist eine tägliche Herausforderung in dem Beruf.

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Auf den größ;eren Stationen wie der Inneren, der Chirurgie oder der Kardiologie sind die examinierten Kräfte mit ein bis zwei Schülerinnen pro Schicht unterwegs und betreuen im Schnitt zwischen 15 und 20 Patienten. Amina erzählt: "Wir gehen bei unserer Arbeit nicht nur auf die körperlichen, sondern auch auf die Belastungen unserer Patienten ein, wir versuchen, sie aufzuheitern, wir unterstützen bei traurigen Prognosen, wir möchten den Patienten das Gefühl vermitteln, nicht alleine zu sein."

Gespräche werden am besten bei der Körperpflege geführt, erklärt Jessica, "da ist viel Zeit und auch Nähe". Angefangen bei der Lieblingsfarbe, über die Familie und Hobbys, "bin ich eigentlich ständig dabei, Informationen über meine Patienten zu sammeln", sagt Amina. "Einige Informationen sind vielleicht in Bezug auf die Behandlung wichtig."

Mehrere Kilometer laufen Gesundheits- und Krankenpfleger täglich pro Schicht über die Flure. Damit das nicht auf den Rücken geht, bieten die Lahn-Dill-Kliniken ihren Mitarbeitern die kostenlose Nutzung des hauseigenen Reha-Zentrums an. Für Jessica und Amina ist die Ausbildung ein Gewinn und der Beruf ein Traum. Amina fasst es zusammen: "Es ist die größ;te Belohnung für uns, wenn wir einen Patienten lächeln sehen".

Ausbildung in den Lahn-Dill-Kliniken

Die Krankenpflegeschule der Lahn-Dill-Kliniken bietet an den Standorten Dillenburg und Wetzlar-Braunfels derzeit insgesamt 141 Ausbildungsplätze, die in den kommenden Jahren weiter erhöht werden sollen. "Wir reagieren damit auf den demografischen Faktor, zum einen gehen bei uns viele Mitarbeiter demnächst in den Ruhestand, zum anderen werden die Patienten immer älter und damit auch kränker", sagt die Leiterin Marketing/Öffentlichkeitsarbeit der Kliniken, Stefanie Mohr. Voraussetzungen für die Ausbildung sind entweder das Abitur, die Fachhochschulreife, ein guter Realschulabschluss oder eine abgeschlossene Alten- oder Krankenpflegehelferausbildung sowie die gesundheitliche Eignung. Empfohlen wird auß;erdem ein 14-tägiges Praktikum im Pflegebereich.

Die Ausbildung umfasst 4600 Stunden, 2100 Stunden in theoretischem und praktischem Unterricht im Blocksystem, 2500 Stunden praktische Ausbildung. Die staatliche Prüfung zum Abschluss besteht aus einem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. (red)

Von Iris Baar