Vollbremsung beim Diesel-Kauf

aus Autohaus Nau GmbH

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Erst der Skandal, jetzt das drohende Fahrverbot: Die Wut und die Verunsicherung unter den Besitzern von Diesel-Fahrzeugen sind groß. Zu spüren bekommen das auch die...

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Wetzlar. Erst der Skandal, jetzt das drohende Fahrverbot: Die Wut und die Verunsicherung unter den Besitzern von Diesel-Fahrzeugen sind groß;. Zu spüren bekommen das auch die Autohändler in Wetzlar, der Diesel wird zum Ladenhüter, die Preise gehen in den Keller.

Die konkreten Auswirkungen des Bundesverwaltungsgerichtsurteils vom Dienstag kann man am Tag danach beim Autohaus Nau in der Hermannsteiner Straß;e noch nicht absehen. Verkaufsleiter Markus Mayer berichtete am Mittwoch allerdings von gleich drei Diesel-Besitzern, die ihre Autos abgeben wollten, darunter sogar eines mit Euro-6-Norm. Da werde kaum mehr differenziert, sagt Mayer. Die Verunsicherung und die Sorgen bei den Kunden seien riesig, groß;e Zurückhaltung sei die Folge – auch bei Neuwagenkäufen. Das Geschäft mit Diesel-Fahrzeugen sei spätestens im Sommer vergangenen Jahres schon eingebrochen.

Was passiert mit den Preisen für die Euro-5-Norm und darunter – kommt die Hardwarelösung?

Kaum jemand wolle mehr einen Diesel – das gelte zumindest für Privatkunden. Und Diesel-Besitzer, die ihren Wagen verkaufen möchten, müssten hohe Wertverluste hinnehmen – zwischen 2000 und 5000 Euro Verlust je nach Modell sei keine Seltenheit. "Da ist ein ziemlicher Schaden angerichtet worden", sagt Mayer.

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Von groß;er Verunsicherung bei Kunden berichtet auch Michael Heilmann, Verkaufsleiter Pkw bei Neils & Kraft in Hermannstein. Niemand wisse im Moment so recht, wohin die Reise für den Diesel geht. Privatkunden neigten bereits seit Monaten tendenziell eher zum Benziner.

"Raus aus dem Diesel" könne aber nicht die Lösung sein, meint Heilmann, denn mit modernen und entsprechend sauberen Diesel-Motoren gebe es auch künftig keine Probleme. Spannend sei nun die Frage, was mit älteren Diesel-Fahrzeugen der Euro-5-Norm und darunter (preislich) passieren und ob der Forderung nach Hardwarelösungen nachgekommen wird. Neils & Kraft habe als Mercedes-Autohaus viele Gewerbekunden, für die sich das Problem nicht so sehr stelle wie für Privatkunden. Weil sie ihre Fahrzeuge leasen und nicht kaufen.

Ähnliches berichtet Andreas Groß;, Obermeister der KFZ-Innung im Lahn-Dill-Kreis und selbst Fiat-Händler mit vielen gewerblichen Kunden. Deren Motoren seien daher meist frisch. Sie erfüllen auch künftig die Normen. Und werden im schlimmsten Falle einfach demnächst durch ein neues Modell ersetzt. Ulrich Bähringer, Geschäftsführer des Autohauses Diehl, ergänzt mit Blick auf geleaste Firmenwagen: "Der Geschäftskunde berechnet genau die Gesamtkosten auf die Nutzungszeit. Dem ist der Restwert aber meist völlig egal."

Anders der Privatkunde, sagt Bähringer: "Meist ist ja das Auto nach der Immobilie die größ;te Anschaffung im Leben." Entsprechend groß; sei die Unsicherheit bei Kunden auf der Suche nach Neuwagen, aber auch bei Bestandskunden mit Diesel. Wer von denen derzeit auf Benzin umsteigen wolle, lasse das meist, wenn er den Restwert seines Wagens erfährt, sagt Bähringer.

Andreas Groß; erklärt, auch er schaue in lange Gesichter, wenn er Angebote für Gebrauchte erstelle. "Der Gebrauchtwagenpreis wird weiter in den Keller gehen", ist der Obermeister überzeugt. Andererseits: "Wer schmerzfrei ist, kann sich jetzt günstig einen gebrauchten Diesel zulegen", sagt Andreas Groß;. Denn zumindest für den ländlichen Raum mit Wetzlar im Herzen sieht er keine Gefahr eines Diesel-Fahrverbotes.

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Und dann wird der oberste KFZ-Meister im Kreis politisch: Keiner, auch nicht die höchsten Verwaltungsrichter, hätten den Mumm zu einer endgültigen, dauerhaften Entscheidung in Sachen Diesel. Bei den Kommunen läge jetzt der Schwarze Peter. Ins Rohr aber würden Händler und Kunden schauen, ist er erbost.

Viel Durcheinander: Vielleicht hilft das Urteil ja wenigstens, die Debatte zu versachlichen

"Vielleicht hilft das Urteil ja wenigstens, die Debatte zu versachlichen", sucht Groß; einen Lichtblick in der Debatte. In der nämlich würde zu viel Durcheinander gebracht: Gesundheit, Betrugssoftware, Grenzwerte. "Es ist eine hysterische Diskussion, die sich gut zum Politisieren eignet", sagt der Innungs-Obermeister.

Vor dem massenhaften Umstieg auf Benziner warnt der Obermeister: "Wenn jetzt alle die Antriebsart wechseln, dann haben wir in zwei bis drei Jahren eine Diskussion um die CO2-Problematik", sagt Groß;. Und Ulrich Bähringer zeigt auf, dass die Hersteller derzeit auch in modernen Benzinern plötzlich Partikelfilter verbauen – früher klassischerweise beim Diesel der Fall. Denn: Irgendetwas müssen Autos nun einmal ausstoß;en.