Ache macht Jakob & Weigel dicht

Wirtschaft  Überraschendes Aus für die Herborner Baufirma zum 30. April verkündet

Wird zum 30. April geschlossen: die Baufirma Jakob + Weigel auf dem Herborner Rehberg. (Archivfoto: Weirich)

Nicht nur die Belegschaft dachte, dass die Traditionsfirma eine Chance hat: Nach den jüngsten Nachrichten über die Auftragslage sah es eigentlich so aus, als dass es bei Jakob + Weigel wieder aufwärts gehe. Aber nun kommt das Aus.

„Am 15. Januar hat uns der Insolvenzverwalter zusammengerufen und uns gesagt, dass die Firma geschlossen wird“, erzählt einer der Bauarbeiter am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Vorgestern gab es dann die Kündigungen, von Hand vom Betriebsrat persönlich verteilt.“ Der habe vorher gesagt, dass die Belegschaft das nicht per Post erhalten solle.

„Wir hatten so viele Aufträge wie schon lange nicht mehr“, so der Arbeiter weiter. Man merkt ihm an, dass er auf den Insolvenzverwalter nicht gut zu sprechen ist: „Der macht eine gutgehende Firma dicht, nachdem er das Tafelsilber verkauft hat. Das war ein Schlag vor den Kopf für uns alle.“

Bernd Ache sieht das anders: „Wir haben den Betrieb zwei Jahre lang fortgeführt und versucht, einen Investor zu finden“, sagt der Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt bei der Wetzlarer Wetzlarer Kanzlei Unützer/Wagner/Werding.

Nachdem das hier im heimischen Raum nicht geklappt habe, sei die Suche ausgedehnt worden: „Wir haben bundesweit mit 500 Firmen gesprochen.“ Aber auch dabei habe sich niemand gefunden, der das Herborner Unternehmen hätte übernehmen wollen.

„Das Geschäft im Tiefbau ist zudem schwierig“, so Ache weiter. Auf die Frage, wie diese Einschätzung mit den Aussagen aus der Belegschaft zusammenpasse, dass die Geschäfte bei der Firma derzeit richtig gut laufen, antwortet der Anwalt: „Richtig gut laufen? Das wäre sicher geprahlt. Und ein gewisser Preisdruck ist immer noch da.“ Da reichten auch Aufträge für Kanalbauten, von denen Jakob + Weigel vom Abwasserverband „Mittlere Dill“ zuletzt recht viele erhalten hatte, nicht aus.

„Glücklich sind wir alle damit nicht, aber wir können es leider nicht ändern“, sagt der Betriebsratsvorsitzende

„Und dann gab es noch andere Kunden, auch aus der Öffentlichen Hand, die ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlt haben“, sagt Ache. Er betont aber, dass der Abwasserverband „Mittlere Dill“ damit nicht gemeint sei.

„Wir haben alle Für und Wider gegeneinander aufgewogen und sind zu der Auffassung gekommen, den Betrieb nicht weiter fortzuführen“, so der Anwalt weiter. „Und dann hat die Gläubigerversammlung in ihrer Sitzung im Januar beschlossen: ,Dann führen wir die vorhandenen Aufträge noch zu Ende und schließen dann’.“

Nach Angaben von Michael Jäger, dem Vorsitzenden des Betriebsrats bei Jakob & Weigel, sind das noch drei kleinere Kanalbauaufträge in Burg. Ebenfalls dort stünden noch Arbeiten am Kanal, an Versorgungsleitungen und im Straßenbau in der Egerlandstraße an. „Die Auftragslage sah das ganze letzte Jahr über gut aus“, sagt Jäger. „Wir haben sogar ein Auftragspolster mit ins neue Jahr genommen.“

Die Nachricht von der nahenden Betriebsschließung macht natürlich auch ihn traurig: „Glücklich sind wir alle damit nicht, aber wir können es leider nicht ändern“, sagt er.

Der Betriebsrat habe sich mit Ache auf einen Interessenausgleich verständigt. Dieser, so erläutert der Wetzlarer Anwalt, verpflichte ihn dazu, gemeinsam mit dem Betriebsrat einen Sozialplan zu erstellen. „Aber das haben wir noch nicht, da war noch keine Zeit für“, sagt Ache.

Über die Zahl der von der Betriebsschließung betroffenen Mitarbeiter gibt es unterschiedliche Angaben. Von „zuletzt 41“, spricht der Betriebsratsvorsitzende. Von „rund 35, Aushilfen nicht mitgezählt“, der Insolvenzverwalter.


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