Ein Unwetter wird zum "Glücksfall"

JUBILÄUM Bosch Thermotechnik feiert in Eibelshausen 400. Geburtstag

Alle Werksangehörigen haben unterschrieben: (v.l.) Dr. Thomas Volz, Frank Gerischer und Mirko Link mit dem viermillionsten, in Eibelshausen produzierten Wärmespeicher. 

Als Bosch Thermotechnik-Werk gehört das frühere Buderus-Werk seit 2003 zur Bosch-Gruppe mit ihrer Zentrale in Wetzlar. Die Geschichte der Eisenhütte Eibelshausen begann mit einem heftigen Sturm, der im Frühjahr 1613 - also fünf Jahre vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges - über das Dillenburger Land hinweggezogen war.

Das Unwetter hatte eine Unmenge von Bäumen entwurzelt. Und um die Holzmassen sinnvoll verwerten zu können, entstand mit Genehmigung des Grafen von Nassau-Dillenburg in der zweiten Jahreshälfte 1613 etwas außer- und oberhalb des Dörfchens Eibelshausen ein Hochofenwerk, das mit Holzkohle betrieben wurde.

Und so wird an dieser Stelle durchgehend seit vier Jahrhunderten Metall verarbeitet. 1845 arbeiteten zwar nur 20 Personen "auf der Hütte", weitere 500 aber arbeiteten ihnen zu, gewannen das zur Verhüttung vorgesehene Erz und transportierten dieses.

Innovativ war man stets in der Eibelshäuser Hütte und passte sich den Erfordernissen des Marktes an, wie Dr. Rainer Haus, Historiker in Diensten der Bosch Thermotechnik GmbH, in einem Vortrag erläuterte. So war im 19. Jahrhundert zum Beispiel ein nur 35 Kilogramm schweres "Frühstücks-Herdchen" im Angebot, das transportabel war und auf Baustellen eingesetzt werden konnte.

2,5 Millionen Kohleöfen

Als Teil des 1883 gegründeten Unternehmensverbundes Hessen-Nassauischer Hüttenverein konzentrierte sich die Eibelshäuser Hütte weiterhin auf die Herstellung von Öfen. Anfang der 1930er Jahre übernahm Buderus den Hüttenverein, der 1935 ganz in Buderus aufging. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurde Eibelshausen zum zentralen Kohleofenwerk der Buderus-Gruppe. Bis 1975 summierte sich die Kohleofenproduktion auf 2,5 Millionen Stück.

Zugleich ging die Zeit der Einzelöfen zu Ende, die Zentralheizung gewann die Oberhand, so dass auch in Eibelshausen zunächst verschiedene neue Heiztechnikkomponenten entstanden, bis Buderus entschied, im Werk die Fertigung von Warmwasserspeichern zu konzentrieren. So entstehen in Eibelshausen - seit 2003 Teil der Bosch-Gruppe - Warmwasserspeicher für die Bosch-Thermotechnik-Marken Buderus und Junkers.

Insgesamt wurden seit 1975 in Eibelshausen vier Millionen Warmwasserspeicher hergestellt. Die Enthüllung des mit den Unterschriften der 310 Mitarbeiter im Werk Eibelshausen verzierten Jubiläums-Wasserspeichers nahmen im Rahmen der kleinen Jubiläumsfeier Dr. Thomas Volz (Leiter des Produktionsbereichs "Heizen Wand" der Bosch Thermotechnik), Frank Gerischer und Mirko Link, technischer beziehungsweise kaufmännischer Leiter des Werkstandortes Eibelshausen, vor.

Regierungspräsident Dr. Lars Witteck (CDU) nannte den Betrieb als "Glücksfall" für die Region. Und Landrat Wolfgang Schuster (SPD) bezeichnete den Lahn-Dill-Kreis als "Werkstatt Hessens". Über 40 Prozent der Beschäftigten an Lahn und Dill arbeiteten im produzierenden Gewerbe, das seien doppelt so viele wie im Landesdurchschnitt und so viele wie in keinem anderen Landkreis, erklärte der Landrat.


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