Handwerker sind Mangelware

Ausbildung  Ein Modellversuch des Landes Hessen könnte die Situation verbessern

Auf diesem Dach ist ein Dachdecker bei der Arbeit. So viel Glück haben nicht alle Häuslebauer in der Region. Wegen akutem Fachkräftemangel könnte die Wartezeit bei Dachdeckerbetrieben im Landkreis Limburg-Weilburg schnell einige Monate dauern, sagt Stefan Laßmann, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. (Archivfoto: MEV)
Nicht nur im Bauhandwerk gibt es personelle Engpässe: In Friseurhandwerk wird in Weilburg und Umgebung besonders häufig nach Auszubildenden gesucht. (Foto: Grubitzsch/dpa)
Stefan Laßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg. (Foto: Archiv)
Bild 1 von 3

„Friseure wurden in Weilburg und Umgebung im vergangenen Jahr am häufigsten gesucht“, besagt eine Pressemitteilung des Adolf-Christ-Verlages. Dieser betreibt die Auskunftsseite „Das Örtliche“ und hat die lokalen Suchanfragen auf der Internetseite ausgewertet.

Auf Platz zwei der meistgesuchten Handwerker seien Schneider, auf dem dritten Dachdecker, gefolgt von den Bäckern und von den Heizungsistallateuren.

Stefan Laßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, kann das nur bedingt bestätigen. „Dachdecker sind auf jeden Fall sehr gefragt“, bestätigt er aber. Friseure seien vor allem bei Ausbildungsanfragen recht beliebt. „Neben dem Kfz-Mechaniker zählt dieser noch zu den beliebten Ausbildungsberufen im Bereich Handwerk“, fügt Laßmann hinzu.

„Wer einen Handwerksberuf ergreift, hat einen krisensicheren Job“, sagt Stefan Laßmann

Viele Betriebe hätten hingegen Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzten. „Ich kenne kaum einen Handwerksberuf, in dem nicht verzweifelt gesucht wird“, sagt der Geschäftsführer. „Und in Zukunft wird es wohl noch schwieriger werden.“

An Aufträgen mangele es den Handwerksbetrieben nicht, sondern hauptsächlich an Fachkräften. Wer beispielsweise in der nächsten Zeit plane, sein Haus zu renovieren, müsse sich auf lange Wartezeiten einstellen. Denn neben Dachdeckern seien besonders Maler und Maurer gefragt. „Bei Anfragen muss man sich auf Wartezeiten von mindestens einem halben Jahr einstellen“, sagt Laßmann. „Das ist kein böser Wille der Handwerker, sondern leider einfach nicht anders möglich.“

Als einen Grund für mangelndes Interesse an Handwerksausbildung nennt er den Trend, dass immer mehr junge Menschen studieren wollen. Er schildert: „Ich habe den Eindruck, dass es inzwischen als schlecht gilt, kein Abitur zu haben. Die duale Ausbildung ist regelrecht stigmatisiert.“

Laßmann sieht jedoch eine Chance, wieder mehr Schulabgänger für eine Handwerksausbildungen zu begeistern. Er verweist auf einen Modellversuch des Landes Hessen.

Bei diesem geht es darum, dass jeder Auszubildende, der nach dem ersten Januar 2011 seine Gesellenprüfung mit der Note 2,5 oder besser bestanden hat, automatisch die Zulassung für ein Hochschulstudium erhält. Die einzige weitere Voraussetzung ist ein Realschulabschluss. Das Land Hessen möchte damit „die Durchlässigkeit für Studieninteressierte ohne Abitur erhöhen“.

Stefan Laßmann hofft hingegen, dass sich dadurch wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung entscheiden. Im besten Fall gefiele ihnen der Beruf und sie blieben, trotz der Möglichkeit ins Studium zu wechseln, im Handwerk. Er sieht viele Vorteile und ermutigt: „Handwerksberufe sind krisensicher – allein schon, weil der Mangel an Fachkräften weiter besteht.“


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus Aus der Wirtschaft