Herborner Reclay lehrt Franzosen das Recyceln

UNTERNEHMEN "LÉKO" wird neues Rücknahmesystem der Reclay-Group im Nachbarland / Deutschland immer noch Vorbild

Dass weltweit agierende Unternehmen Reclay-Group mit Sitz in Herborn hat einen neuen Vertrag mit Frankreich über Wiederverwertung abgeschlossen. Warum dies auch Arbeitsplätze in Herborn sichert, verrät Geschäftsführer Raffael Fruscio. (Foto: Reclay)

Raffael Fruscio ist einer von zwei Geschäftsführern der Reclay-Group aus Herborn. Er ist politisch aktiv und vielen als Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Herborn bekannt. (Foto: Reclay)

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Die Rücknahme und Verwertung von Verkaufsverpackungen, auch bekannt als "Recycling", ist in Europa gesetzlich geregelt.

In Deutschland geschieht dies durch eine Verpackungsverordnung, die zum Beispiel besagt, dass Verpackungsabfälle in erster Linie zu vermeiden sind und, sofern sie nicht vermeidbar sind, für deren Wiederverwertung zu sorgen ist.

Die Reclay-Group berät Unternehmen bei der Entsorgung der von ihnen in Umlauf gebrachten Verpackungen und hilft den Kunden, die Regelungen der Verpackungsverordnungen einzuhalten. Haupt- und Verwaltungssitz der Gruppe befindet sich in Herborn.

Mit dem neuen Rücknahmesystem "LÉKO" will Reclay nun auch in Frankreich einsteigen und den Unternehmen dort eine Alternative für die Rücknahme der Verkaufsverpackungen bieten. Denn bisher ist die Verpackungsrücknahme in Frankreich monopolistisch organisiert. Das heißt, es gibt keine Wahlmöglichkeiten bei der Verwertung der Verpackungen.

Mit dem Eintreten der Reclay-Group am französischen Markt ändert sich einiges, denn durch das neue System entsteht Wettbewerb auf dem Markt der Verpackungsrücknahme in Frankreich. "Für die Sammlung der Verpackungen werden auch weiterhin die Kommunen zuständig sein, sie bestimmen, wer den Müll abholt. Das lässt sich aufgrund von Gesetzesregelungen nicht ändern. Aber künftig wird es Wahlmöglichkeiten bei der Sortierung und Wiederverwertung geben", erklärt Geschäftsführer und Unternehmensgründer der Reclay-Group, Raffael A. Fruscio.

"Es wäre sinnvoll, daran zu arbeiten, dass Verpackungsmüll direkt in Deutschland recycelt werden kann"

"Wir werden mit Handel und Industrie, Kommunen, Recyclern, Verbänden sowie den Verbrauchern zusammenarbeiten um das französische Recyclingsystem zu vereinfachen und zu modernisieren, mehr Wertstoffe zu sammeln und diese besser wiederverwerten zu können", erklärt Fruscio das Vorgehen.

Aktuell gibt es in Frankreich Schwierigkeiten bei der Sortierung der Verpackungen, die Anlagen sind technisch rückständig. Deshalb erreicht Frankreich die in der EU festgelegten Recyclingquoten nicht und muss mit Bestrafungen durch die EU-Kommission rechnen, wenn sich die Quoten nicht verbessern. "Das technische Niveau in den Sortier- und Verwertungsanlagen in Frankreich ist so niedrig wie in Deutschland in den 90er Jahren", merkt Fruscio an. "Die Qualität bei der Sortierung ist zu niedrig. Darum können viele Verpackungen nicht recycelt werden und so werden auch weniger sekundäre Rohstoffe gewonnen. Eine Aufrüstung der Sortieranlagen ist nötig. Das ist zwar kostenaufwendig, aber eine klare Investition in die Zukunft."

Bis das neue Rücknahmesytem in Frankreich startet,t dauert es allerdings noch ein bisschen. Nach einer Übergangsphase im Jahr 2017, in der sich der Monopolist auf die neuen Wettbewerbsbedingungen vorbereiten kann, tritt "LÉKO" dann 2018 endgültig in den Markt ein. Geführt wird das System von der französischen Tochtergesellschaft "Valorie SAS" die in Paris sitzt.

Inwieweit schafft das System in Frankreich nun Arbeitsplätze in Deutschland und gerade auch in Herborn? "Im Moment wird die Datenabrechnung komplett in Herborn gemacht, die Kundendaten aus ganz Deutschland werden hier verwaltet. In Zukunft sollen alle europäischen Kundendaten, also auch die aus Frankreich, in Herborn verwaltet werden", so Fruscio. Das sichere die Arbeitsplätze dort. Neue entstünden dazu in Frankreich.

Dass Deutschland und auch Österreich immer noch Vorbilder beim Thema Recycling sind, bestätigt der Geschäftsführer. "Die Rücknahmesysteme für Verkaufsverpackungen in Deutschland sind fortschrittlich, die Sortieranlagen sind technisch auf einem sehr guten Stand und es zeigt sich der Trend, dass weiter in die Aufrüstung der Anlagen investiert wird. Die deutschen Systeme sind also auch ein Vorbild für unsere Arbeit in Frankreich." Allerdings merkt Fruscio an, dass die Verpackungen nach der Sortierung in Deutschland zum großen Teil ins Ausland gegeben werden, so dass die eigene Wirtschaft nur wenig von den bei der Wiederverwertung gewonnen sekundären Rohstoffen profitiert. "Es wäre sinnvoll, daran zu arbeiten, dass der Verpackungsmüll direkt in Deutschland recycelt werden kann", sagt Fruscio.


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