Rohstoffe für Wirtschaft wichtig

KONFLIKT  Steinbruchprojekt im Landkreis Limburg-Weilburg sorgt für Streit

In wenigen Jahren wird das Kalksteinvorkommen im von Schaefer Kalk derzeit genutzten Steinbruch „Schneelsberg Nordost“ erschöpft sein. Im Hintergrund ist die Anhöhe „Auf Hengen“ zu sehen, wo die Firma ihren neuen Steinbruch aufschließen möchte. (Archivfoto: Vetter)

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) macht nun auf die Wichtigkeit von Rohstoffen aufmerksam. Eine Bürgerinitiative hatte sich derweil vor Ort gebildet, um unter anderem auf negative Auswirkungen eines Steinbruchs auf Natur und Umwelt aufmerksam zu machen.

Die Diskussion um den möglichen Aufschluss des Kalksteinbruchs Hengen in Beselich des Unternehmens Schaefer Kalk zeige einen Zwiespalt, so die IHK: Rohstoffe seien von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft und bilden eine wichtige Grundlage für den Wohlstand der Gesellschaft. Zugleich berge der Rohstoffabbau aber auch Konfliktpotenzial, etwa mit konkurrierenden Nutzungsansprüchen an die entsprechenden Flächen oder einer ablehnenden Haltung der Bevölkerung. Die IHK Limburg plädiere so für Kooperation statt Konfrontation bei der Frage nach dem Abbau von Rohstoffen in der heimischen Region.

Der Abbau von Rohstoffen sei eine Wertschöpfung, die vor Ort Wirtschaftskraft schafft, Arbeitsplätze sichert und die Finanzkraft der Kommunen stärkt. In der heimischen Region spielen die Rohstoffe Basalt, Kalk, Kies, Sand und Ton eine bedeutende Rolle.

Mineralische Rohstoffe seien zudem unentbehrliche Voraussetzung für weitere Herstellungsprozesse und Produkte etwa in der Bauwirtschaft oder in derChemie-, Stahl- und Glasindustrie – in Unternehmen weltweit aber auch in der heimischen Region. Für viele Lebensbereiche wie Mobilität, Kommunikation, medizinische Versorgung oder Anbau von Nahrungsmitteln seien Rohstoffe unabdingbar. Die Versorgung mit Rohstoffen sei damit eine Voraussetzung für den Industriestandort und eine bedeutende Grundlage für Wohlstand.

„Rohstoffe können nur dort abgebaut werden, wo sie im Boden liegen. Aus dem Vorhandensein von Lagerstätten in unserer Region ergibt sich daher meiner Meinung nach auch die Frage für die Region, diese Bodenschätze zu sichern und dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung zu stellen.

Handelskammer will Zugang der Unternehmen zu den Rohstoffen sichern

So ist das Gebiet Hengen im Regionalplan bereits seit 1986 als Vorrangfläche für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe eingetragen“, sagt IHK-Präsident Ulrich Heep. Der Rohstoffabbau sei Teil der wirtschaftlichen Entwicklung der heimischen Region. Für diese setzen die Städte und Gemeinden mit ihren Zuständigkeiten vor Ort die Rahmenbedingungen. „In einem Abwägungsprozess müssen dabei natürlich auch die Belange von Mensch, Fauna und Flora berücksichtigt werden. Die nachhaltige Nutzung der heimischen Rohstoffe kann nur im Miteinander aller Beteiligten erfolgreich sein“, betont Heep. Im Sinne einer stärkeren Kooperation beim Rohstoffabbau organisiere die IHK Limburg mit Partnern seit einigen Jahren die Veranstaltungsreihe „Rohstoffforum“.

Hier tauschten sich rohstofffördernde Unternehmen mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Naturschutzverbänden aus zu den Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten des Rohstoffabbaus, der unterschiedlichen Interessen gerecht werden müsse. So müssten zugleich die Unternehmen und Kommunen Planungs- und Investitionssicherheit haben, als auch die vielfältigen rechtlichen Vorgaben der genehmigenden Planungsbehörden und des Umweltschutzes eingehalten werden. Dabei seien der Beitrag von Steinbrüchen oder Kiesgruben, als Lebensraum einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen, zur biologischen Vielfalt oder Nachnutzungskonzepte für die Bevölkerung oder Tourismuswirtschaft wichtige Aspekte. Von besonderer Bedeutung seien beim Rohstoffabbau auch die langjährigen Planungshorizonte und die kostenintensive Vorbereitung von Abbauvorhaben sowie die zunehmende Regulierung durch die Europäische Union. Nicht zuletzt spiele auch die frühzeitige Information und Beteiligung der benachbarten Kommunen und ihrer Bürger für die Akzeptanz und Planungssicherheit des Rohstoffabbaus eine zentrale Rolle. Die IHK Limburg spreche sich dafür aus, für Unternehmen den Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Dazu bedürfe es einer vorausschauenden Raumplanung auf Bundes-, Landes und regionaler Ebene, um – unabhängig von einzelnen Gewinnungsvorhaben – langfristig Flächen und Standorte für die Auch sollten Politik und Wirtschaft gemeinsam das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Notwendigkeit des heimischen Rohstoffabbaus und die Bedeutung der dadurch getragenen Wertschöpfungsketten stärken. (red)


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