Sinnvoll Zeit verschenken

Engagement  Klinikseelsorge in Braunfels organisiert Besuchsdienst für Patienten

Den Menschen zeigen, dass jemand für sie da ist, ist ein wichtiger Faktor im Besuchsdienst an Kliniken. (Symbolfoto/Archivfoto dpa)
Ursula Prenzel (Foto: Berns)
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Den Krankenbesuchsdienst gibt es schon seit mehr als 15 Jahren, erklärt Dorothea Verdcheval von der katholischen Klinikseelsorge. Für diese ist sie seit vier Jahren tätig. Derzeit sucht sie weitere ehrenamtliche Mitstreiter, die Patienten in der Klinik besuchen, sich mit ihnen unterhalten, mal mit ihnen rausgehen, einen Kaffee trinken oder auch nur einfach da sind.

Wichtig ist dies, da es immer wieder Patienten gibt, die keine Angehörigen mehr haben, deren Familie nur wenig Zeit hat oder einfach zu weit weg wohnt, um sie regelmäßig besuchen zu können. Alleine im Krankenzimmer kann ein Tag dann schon mal lang werden.

Ursula Prenzel ist seit zwei Jahren im Team, das derzeit aus vier Personen besteht. Sie ist 82 Jahre alt und hat vorher schon Besuchsdienste für den Malteser Hilfsdienst übernommen. Außerdem ist sie in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Ich wollte noch etwas tun, etwas Sinnvolles“, sagt sie. In Hinblick auf den Besuchsdienst erklärt sie: „Der Nachwuchs fehlt.“ Möglicherweise liege dies an den vielen Freizeitangeboten im Bereich Sport, Musik aber auch dem Internet, die es gebe und der Tatsache, dass auch die Senioren heute sehr viel unterwegs seien und oft keine Zeit hätten. Bei jüngeren Menschen sei meistens die Hemmschwelle zu hoch. „Man braucht viel Empathie und darf keine Angst vor der Begegnung mit Krankheit haben“, sagt Prenzel.

Sie selbst besucht Patienten auf einer der Rehastationen in der Klinik und hat es dort oft mit den „schweren Fällen“ zu tun. Das Alter der Menschen, mit denen sie in Berührung kommt, ist ganz unterschiedlich, es sind junge Leute, die einen Unfall hatten, ältere Patienten mit einem Schlaganfall oder Menschen, die wegen eines Hirntumors operiert wurden.

„Es kommt auch schon mal vor, dass jemand gar nicht in der Lage ist, sich zu äußern“, sagt die 82-Jährige. In solchen Fällen sind bisweilen „kleine Berührungen“ hilfreich. Man spüre dabei schon, ob ein Patient dies wolle, oder nicht, sagt sie.

Die Zahl der Patienten, die sie betreut, variiert. Es können mal nur zwei, manchmal auch über zehn sein. Einmal in der Woche geht sie in die Klinik. Auf der Station informiert sie sich dann bei den Schwestern, wo ein Besuch angeraten sein könnte.

„Viele sind dankbar, dass jemand kommt, sich unterhält und zuhört“

Zwei Stunden benötigt Prenzel für die Besuche, aber auch hier gibt es Schwankungen. „Ich gehe zu den Patienten, stelle mich vor und frage, ob sie reden wollen. Wenn jemand nicht will, ist das völlig in Ordnung. Viele sind aber dankbar dafür, dass jemand kommt, sich unterhält und zuhört. Nicht selten bekomme ich auch mal die Lebensgeschichte einer Person erzählt.“

Einzelne Schicksale würden natürlich schon berühren, auf der anderen Seite müsse man auch eine gewisse emotionale Distanz wahren. Das Wichtigste sei in jedem Fall, den Menschen zu zeigen, dass sich jemand kümmert.

Wer Interesse am Besuchsdienst hat, der bekommt von der Klinikseelsorge erst einmal eine Einweisung und viele Informationen zu den Diensten. Danach gibt es eine Probephase, in der die Interessenten zunächst mit der Seelsorgerin mitgehen und schauen, ob der Dienst überhaupt etwas für sie ist.

Für Ursula Prenzel ist es in jedem Fall eine Möglichkeit, Zeit und Kraft sinnvoll einzusetzen. „Manche Patienten haben einfach so viel auf dem Herzen...“


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