Verena Schön (25) leitet das Unternehmen Hund in Wetzlar

PORTRÄT "Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann gebe ich alles dafür"

Von der Buchhaltung über den Versand, das Lager und den Einkauf bis hin zur Optik: Verena Schön kennt jede Abteilung der Firma Hund. (Foto: Baar)

Von der Buchhaltung über den Versand, das Lager und den Einkauf bis hin zur Optik: Verena Schön kennt jede Abteilung der Firma Hund. (Foto: Baar)

Von der Buchhaltung über den Versand, das Lager und den Einkauf bis hin zur Optik: Verena Schön kennt jede Abteilung der Firma Hund. (Foto: Baar)

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Ihren ersten Arbeitsvertrag hatte Verena Schön bereits mit drei Jahren: „Ersatzchefin, wenn Mama und Papa nicht da sind“, stand auf dem Zettel, unterschrieben von ihren Eltern Helmut Hund und Rita Schön. Satte drei D-Mark Wochenlohn hatte die ehrgeizige Tochter für ihren ersten Job ausgehandelt. „Damals konnte ich noch nicht mal richtig schreiben“, erzählt die die junge Frau mit dem gewinnenden Lächeln.

Längst sind die spielerischen Zeiten vorbei. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter vor dreieinhalb Jahren musste die damalige Bachelor-Anwärterin handeln: „Ich entschied mich, den Platz meiner Mutter in der Firma zu übernehmen und die Geschäfte an der Seite meines Vaters weiterzuführen.“ Damals war sie gerade einmal 22 Jahre alt, startete zunächst als Prokuristin der Firma Hund in Wetzlar und übernahm ein halbes Jahr später als Geschäftsführerin alle kaufmännischen Themen rund um Finanzen, Buchhaltung, Personal, Einkauf und IT.

Für Verena Schön war das nicht nur viel Verantwortung von einem Tag auf den anderen, sondern auch eine völlig neue Rolle in einem gewohnten Umfeld. Denn für die Wetzlarerin war die elterliche Firma immer das zweite Zuhause gewesen. Sie hatte als Baby im Maxi-Cosi auf dem Schreibtisch der Mutter gewippt und war später – im besten Kindergartenalter – als Beifahrerin im Putzwagen durch die Gänge gefahren. „Die meisten Mitarbeiter kenne ich schon mein Leben lang“, erinnert sich Verena Schön.

Als sie größer wurde, übernahm sie Ferienjobs und durchlief – während ihre Mitschüler im Freibad lagen – jede Abteilung von der Produktion über den Versand, das Lager, den Einkauf, die Fasertechnik bis hin zur Optik. „Einen Sommer lang stand ich mit meinem Vater im Schichtdienst in der Produktion, da hatten wir einen ganz großen Auftrag und brauchten jede Hand.“

Ihr Vater, Firmeninhaber und -gründer Helmut Hund, ist heute ihr bester Berater und steht bei strategischen Entscheidungen an ihrer Seite. Er war als Geschäftsführer bis 2015 zuständig für die Bereiche Entwicklung, Vertrieb und Produktion, und ist nach Übergabe an seinen Nachfolger Dr. Stefan Schäfer 2017 in den Aufsichtsrat gewechselt.

Verena Schön schätzt die „gute und familiäre Stimmung im Betrieb“. An dieser Atmosphäre liegt es auch, dass die Entwicklung von der „dreijährigen Ersatzchefin“ zur erwachsenen und respektierten Geschäftsführerin ohne Reibungsverluste vonstatten gegangen ist: „Am Anfang habe ich die Mitarbeiter Löcher in den Bauch gefragt, ich musste wissen, warum meine Mutter welche Dinge genau so und nicht anders gemacht hat.“

Einiges macht die Tochter heute anders – was natürlich an ihrer Generation liegt: Sie interessiert sich stark für die IT im Unternehmen: „Da ist in den vergangenen Jahren wenig passiert, dabei bestimmt die Informationstechnologie alle Prozesse in unserem Unternehmen, greift in alle Abteilungen, kann die Arbeit erleichtern.“

Von Vorteil für die junge Geschäftsführerin ist sicherlich auch, dass die Tochter ihren Eltern in vielen Punkten sehr ähnlich ist, da mussten sich die Mitarbeiter nicht großartig umgewöhnen: „Vor allem, was meine Sturköpfigkeit anbelangt!“ Kompromisslos ist sie, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden, wenn sich jemand nicht an Absprachen hält: „Kreative Köpfe müssen eben manchmal eingefangen werden.“

Dass sie bei ihrer Meinung bleibt, macht Verena Schön bei den 110 Mitarbeitern glaubwürdig – und das ist ihr sehr wichtig. „Konflikte offen angehen können, stringent sein, nachhalten, sich durchbeißen können“, nennt sie Fähigkeiten, die eine Geschäftsführerin neben einer gehörigen Portion Fachwissen ihrer Meinung nach mitbringen muss.

Und durchbeißen kann sich Verena Schön. Das zeigt sie auch in ihrem Privatleben. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, passiert das auch. Deswegen mache ich jetzt nebenbei noch den Master.“ "Nebenbei", dass heißt, sich nach einer täglichen Arbeitszeit von acht bis zehn Stunden jeden Abend für den Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universität an den privaten Schreibtisch zu setzen und zu büffeln.

Viel Zeit bleibt der jungen Frau da nicht mehr für ihre Hobbys, unter anderem Reisen in ferne Länder mit Rucksack und Entdeckergeist sowie das Erlernen der spanischen Sprache. Doch sie wird sich bis zum Master durchbeißen – mit viel Fachwissen, Offenheit und einer gehörigen Portion Charme. Und damit ihr nicht langweilig wird, hat sie schon Pläne für die Zeit nach dem Master: „Dann will mein Spanisch und meine IT-Kenntnisse verbessern.“

VERENA SCHÖN
Verena Schön wurde am 17. Mai 1993 in Wetzlar geboren. Nach ihrem Abitur auf der Goetheschule studierte sie General Management an der privaten EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel und schloss mit dem Bachelor of Science ab. Am 1. Juli 2015 übernahm sie die kaufmännische Geschäftsführung in der elterlichen Firma Hund in Wetzlar. Parallel arbeitet sie an ihrem Master in BWL an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

HELMUT HUND GMBH
1967 gründete der damals 17-jährige Helmut Hund das Unternehmen. Erstes Produkt war ein patentierter Anlaufstrombegrenzer für Elektromotoren. Nach einem rasanten Wachstum, Firmenübernahmen und einer Ausweitung der Geschäftsfelder bis hin zur Medizintechnik führt das Unternehmen heute verschiedene Technologien zusammen. Schwerpunkte sind Elektronik, Optik, optische Glasfasertechnik, Kunststofftechnik und Feinmechanik.


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