Vom Leim zum innovativen Klebstoff

Porträt  „Weiss Chemie+ Technik“ fertigt in Haiger Klebstoffe und Sandwichelemente

Im hauseigenen Labor werden die Klebstoffe entwickelt und geprüft. (Foto: Weiss Chemie + Technik)
In dieser Anlage werden die Klebstoffkartuschen des Haigerer Unternehmens etikettiert. (Foto: Reitz)
Geschäftsführer Jürgen Grimm. (Foto: Reitz)
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1815 gründete Philipp Carl Weiss das Unternehmen. Zu Beginn stellte die Firma Leim aus Tierhäuten her. Noch heute ist die Unternehmensgruppe im Eigentum der Familie Weiss. Das Werk in Haiger ist mit 240 Mitarbeitern der Hauptstandort von „Weiss Chemie + Technik“. Ein zweites Werk ist im westfälischen Herzebrock ansässig. Zur Unternehmensgruppe gehört auch das Chemieunternehmen „Pudol“ in Niederdreisbach bei Betzdorf. Dort werden Reinigungs- und Pflegemittel produziert. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 300 Mitarbeiter.

„Weiss hat zwei Standbeine, nämlich die Chemie und die Sandwichelemente“, erklärt Jürgen Grimm. Er ist seit Januar 2002 der Geschäftsführer. Das Sortiment umfasst mehr als 400 Klebstoffvarianten. „Daraus entsteht eine Vielzahl an Optionen für die Kunden. Klebstoffe sind ein hochmodernes Produkt.“ Früher habe man mehr genietet und geschweißt, heute könnten mit Klebstoffen genauso gut oder besser dauerhaft feste Verbindungen geschaffen werden.

Das Anwendungsspektrum wachse stetig, berichtet Grimm. Die Klebstoffe werden in vielen verschiedenen Bereichen wie der Bauwirtschaft, Holzindustrie oder in der Automobilindustrie eingesetzt. Entwickelt und erprobt werden die Produkte im hauseigenen Labor.

Bei der Entwicklung richtet sich das Unternehmen nach den individuellen Wünschen der Kunden. Nach einer erfolgreichen Überprüfung im Labor wird der Klebstoff gemischt und kommt in große Behälter. Die fertige Masse wird anschließend über eine Anlage in Kartuschen abgefüllt und etikettiert.

1983 begann zudem die Produktion von Sandwichelementen als zweites Standbein. Die Sandwichplatten bestehen meist aus einer Deckschicht, einem Innenkern und einer weiteren Deckschicht. „Wir haben 3000 Varianten, die sich in Länge, Breite und Materialstärke voneinander unterscheiden“, erklärt Grimm. Diese Bandbreite gestatte unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Die Sandwichelemente werden aus unterschiedlichen Materialien wie Aluminium, PCV (Polyvinylchlorid) oder Sperrholz hergestellt. Der ursprüngliche Schwerpunkt bei der Verwendung lag auf dem Türen- und Fensterbau. Inzwischen hat auch der Automotive-Bereich, also der Fahrzeugbau, an Bedeutung gewonnen. „Wir beliefern beispielsweise DHL“, erläutert Grimm. Bei den „Streetscootern“, elektrisch betriebenen Autos der Deutschen Post, bestehen der Kastenaufbau und der Boden aus den Sandwichelementen, die dafür aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt werden. Dies macht die Fahrzeuge leichter und umweltfreundlicher. Weitere Anwendungsbereiche sind der Containerbau, Schallschutzanwendungen oder der Trennwandbau. „Jedes Fassadenelement ist ein Unikat“, sagt Grimm.

Produkte aus Haiger finden sich auch im „KaDeWe“ in Berlin und im Münchener Flughafen

Die wärme- und schalldämpfenden Bauelemente sind an Industrie- und Gewerbegebäuden in der ganzen Bundesrepublik zu finden. Dazu gehören etwa das „KaDeWe“ in Berlin, das Schokoladen-Museum in Köln oder der Münchner Flughafen.

Ein Alleinstellungsmerkmal von „Weiss Chemie + Technik“ ist die Verzahnung seiner beiden Standbeine. Bei manchen Endprodukten wird ein spezieller Klebstoff für ein Sandwichelement benötigt. „Es ist in der Branche einzigartig, dass wir für beide Bereiche die Kompetenz haben“, so Grimm.

Die Sandwichplatten werden in Haiger von vollautomatischen Anlagen zugeschnitten, gefräst und gepresst. Zuletzt sorgen Roboter für die Verpackungen und die Palettierung der Produkte.

Im In- und Ausland versorgt das Haigerer Unternehmen „etliche tausend Kunden“ mit seinen Produkten. Der Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent. „Hauptsächlich werden die Produkte in die Mitgliedsstaaten der EU, nach Russland, China und in die USA geliefert“, berichtet der Geschäftsführer.

Die Umsatzgröße beträgt momentan 85 Millionen Euro im Jahr. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren trotz der Weltwirtschaftskrise „überproportional gewachsen“. Zum Vergleich: 2002 lag der Umsatz bei etwa 30 Millionen Euro.

Im Werk in Haiger werden pro Jahr 8,6 Millionen Kilogramm Klebstoff produziert. Außerdem entstehen dort jährlich rund 690 000 Quadratmeter an Sandwichelementen sowie in Werk II 590 000 Quadratmeter und 920 000 Kilogramm Reiniger.

„Man muss seine Mannschaft begeistern und mitnehmen“, meint Grimm. Deshalb denkt er sich jährlich ein neues Motto aus, das die Mitarbeiter begleiten, motivieren und inspirieren soll. „Freude auf alles Neue“ heißt der Leitspruch für 2018.

Das Unternehmen legt auch Wert auf eine gute Ausbildung seiner Mitarbeiter. „Wir bilden immer etwa 18 bis 20 junge Menschen aus, also etwa sechs Prozent unserer gesamten Belegschaft“, so Grimm. In Haiger werden Industriekaufleute, Chemielaborkräfte, Logistiker und Maschinenbediener ausgebildet. Rund 90 Prozent der Lehrlinge werden übernommen.

Kontakt: Weiss Chemie + Technik GmbH & Co. KG., Hansastraße 2, 35708 Haiger, (0 27 73) 81 50, Internet: www.weiss-chemie.de.


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