Mit Azubi-Mentoren zum MINT-Beruf

Im diesem Schuljahr nahmen 320 Schülerinnen und Schüler an mehr als 75 Betriebserkundungen teil. Dort werden die Jugendlichen nicht von erfahrenen Facharbeitern oder Personalverantwortlichen empfangen, sondern auch von einem oder zwei Auszubildenden. Die heißen in dem Projekt Azubi-Mentoren, werden im Vorfeld pädagogisch geschult und stellen den jungen Besuchern vor Ort live ihre Berufe vor. Dieser praktische Ansatz soll das Interesse an gewerblich-technischen Berufen aus dem MINT-Bereich wecken. MINT steht für die Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Mit „I am MINT auf den Geschmack gekommen ist auch Oliwer Bienias, der vor drei Jahren mit dem Projekt den Aßlarer Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum besuchte und dort inzwischen nicht nur eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, sondern im kommenden Jahr selbst als Azubi-Mentor einsteigen wird.

Industriemechaniker oder doch eine Ausbildung zum Koch

Als ehemaliger Schüler der Lahntalschule, die seit 2013 an „I am MINT“ teilnimmt, kam Bienias eher zufällig zu dem Projekt. Zwar fand er damals das klassische „Schrauben“ an Maschinen und Geräten nicht uninteressant, konnte sich aber auch eine Ausbildung zum Koch gut vorstellen. Auf die Frage, was ihn schließlich dazu motiviert hat, teilzunehmen, antwortet er: „Ich wollte die Betriebe einmal von innen sehen. Dafür war ich dann auch bereit, nach Unterrichtsschluss mitzufahren.“ Bienias hatte die Chance, gleich drei Unternehmen zu besuchen. Das spannendste? „Natürlich Pfeiffer Vacuum“, sagt der junge Mann. Als das für ihn klar war, ging der Rest ganz einfach: „Egal ob bei der Jobbörse der Lahntalschule oder auf Ausbildungsmessen, immer wenn sich die Gelegenheit bot, besuchte ich den Stand von Pfeiffer Vacuum und suchte das Gespräch mit dem Ausbildungsleiter.“ Die Hartnäckigkeit hat sich schließlich ausgezahlt, Bienias bekam einen Praktikumsplatz. „Die positiven Eindrücke im Betrieb haben mich dann darin bestätigt, dass ich hier meine Ausbildung beginnen möchte, “ sagt Bienias.

Sein Ausbilder Erhard Harapat sieht für das Unternehmen diverse Vorteile in der Teilnahme an „I am MINT“: „Unser Ziel war es, ein stabiles Netzwerk mit den Schulen der Region aufzubauen, um im direkten Kontakt mit den Jugendlichen und Lehrkräften unsere Ausbildungsberufe in den Fokus rücken zu können.“

Um bei den „I am MINT“-Teilnehmern zu punkten, hat man sich bei Pfeiffer Vacuum für die nachmittäglichen Unternehmensbesuche der Jugendlichen einiges einfallen lassen. Der theoretische Teil – Unternehmenspräsentration und Grundinformationen – wird kurz gehalten. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem praktischen Ausprobieren gemeinsam mit den Azubi-Mentoren und dem Blick hinter die Kulissen. Harapat: „So stellen wir sicher, dass jeder, der über ein gewisses Grundinteresse für technische Berufe verfügt, schnell feststellen kann, welche Tätigkeit für ihn oder sie eine tatsächliche Option für die Zukunft sein könnte.“

Inzwischen läuft das Projekt an der Lahntalschule erfolgreich weiter. Carmen Lenzer verantwortet dort das Thema Berufsorientierung und hatte „I am MINT“ 2013 an die Schule geholt. Auch wenn in den vergangenen Jahren regelmäßig Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement an den Betriebserkundungen teilnahmen, ist auch ihr die Geschichte von Oliwer Bienias besonders im Gedächtnis geblieben: „Bei Oliwer mussten wir von Schulseite am Anfang erst ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Als dann vor Ort in den Betrieben allerdings schnell deutlich wurde, wie sehr ihn gewerblich-technische Berufe begeisterten, war er kaum noch zu bremsen.“

Begeisterung für Technik wecken

Die Art und Weise, wie Oliwer dann gezielt auf eine Ausbildung bei Pfeiffer Vacuum hingearbeitet habe, habe den verantwortlichen Lehrkräften an der Lahntalschule das Potenzial des Projekts deutlich gemacht. Die Lahntalschule verfügt inzwischen neben Pfeiffer Vacuum noch über fünf weitere Partnerunternehmen. In diesem Schuljahr fanden fünf Betriebsbesuche statt.

Verantwortlich für das Projekt „I am MINT“ als Teil der hessischen MINT-Aktionslinie ist SchuleWirtschaft Hessen beziehungsweise deren Regionalorganisationen. Sascha Drechsel, Geschäftsführer SchuleWirtschaft Mittelhessen, ist begeistert vom überragenden Interesse der Betriebe und Schulen: „Die Zahlen sprechen hier einfach für sich. Mit über 120 schriftlichen Kooperationsverträgen, knapp 150 ausgebildeten Azubi-Mentoren und den unzähligen Betriebsbesuchen können wir hier vor Ort definitiv von einem tollen Ergebnis sprechen“, sagte Drechsel. Koordinatorin und Managerin des Netzwerks ist Iris Hoffmann. Drechsel hofft, dass noch viele weitere Kooperationen geschlossen werden können, um weiterhin Jugendliche für die MINT-Berufe zu gewinnen.  (gro)


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