Ein Aufschwung ohne Ende?

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, beim Konjunkturforum der Sparkasse. (Foto: Ewert)

„Kapitalmärkte 2018: Zwischen Paradies und Apokalypse“ lautete sein Thema beim „Sparkassenforum Konjunktur“ im Kasino der Sparkasse Wetzlar.

Dass Kater am Ende des Vortragstitels auf ein Fragezeichen am Ende des Themas verzichtete, liege in der kommenden Entwicklung begründet, die von beidem geprägt sein werde, laut Kater wohl aber näher am „Paradies“ anzusiedeln sei. Der Vortrag des Lehrbeauftragten an der Universität Witten-Herdecke und an der Zeppelin-University Friedrichshafen begründete die Entwicklung der Märkte.

Nie habe es in Deutschland einen derart lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung gegeben wie nach der Krise 2007/2008 bis heute, sagte Kater. Manch ein Experte schaue mittlerweile sogar „mit schlechtem Gewissen“ auf diesen Aufschwung und stelle die Frage, wo wie lange es noch gut geht. Aber nicht nur in Deutschland „brummt der Laden“, wobei deutsche Unternehmen mittlerweile Probleme hätten, Paletten für den Export ihrer Waren zu bekommen. Zugleich erhöhe der Mangel an Fachkräften den Druck.

Doch das Wachstum wird laut Kater anhalten, was vor allem im ungebremsten technischen Fortschritt begründet liege. „Konjunkturelle Aufschwünge sterben nicht an Altersschwäche, sondern daran, dass sie irgendwo gegen laufen“, sagte Kater vor rund 160 interessierten Zuhörern aus Lokalpolitik und heimischer Wirtschaft. Das könne beispielsweise bei einem „exorbitanten Anstieg“ des Ölpreises passieren (den er aber nicht sieht), oder bei einem „Krieg in der Nachbarschaft“, wobei er die Ukraine nannte.

Mögliches Risiko: Die Geopolitik

Den „Aufschwungkiller Nr. 1“ allerdings erkennt der Finanzfachmann in der allerdings aktuell nicht zu befürchtenden Möglichkeit, „dass die Notenbanken sich erdreisten, die Zinsen zu erhöhen“. Kräftige Zinserhöhungen seien aber von der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu erwarten. Wenn Zinserhöhungen kämen, dann „moderat und in homöopathischen Dosen“, ist sich Kater sicher, was wiederum den Aufschwung „schont und stützt“. „Größere Veränderungen sind langfristiger Art.“

Ähnliches gelte für die Inflation. Verlaufe sie langsam und stetig und erreiche die von der EZB gewünschte Marke von zwei Prozent, sei alles in Ordnung. Erst ab vier oder fünf Prozent wirke sich Inflation schädlich auf die Konjunktur aus: „Davon sind wir aber weit entfernt.“

Die Ideallinie und optimale makroökonomische Entwicklung sei die Konstellation „Wachstum ohne Inflation“, sagte Kater. So gesehen sei derzeit „kein Sand im Getriebe“.

Das derzeitige Wachstum sorge eigentlich entgegen der Lehrmeinung nicht für Preiserhöhungen, somit komme die Inflation nicht ins Laufen. Inflationsangst sei derzeit nicht vorhanden. Zudem ist laut Kater die Welt „ein einziger Markplatz“ geworden, was den Druck auf die Preise senke. „Vor 30 Jahren hatte man Angst vor der Inflation, heute wäre man froh, ein bisschen Inflation zu haben.“

Derweil zahle Deutschland Schulden zurück. Gleichzeitig steige die Produktion, was für eine „doppelt schnelle Entschuldung“ sorgt. In zwei Jahren werde Deutschland wieder unter das Maastricht-Kriterium fallen, demzufolge die Staatsschulden 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts nicht übersteigen dürfen.

Zu den Risikofaktoren zählte der Referent die Geopolitik: Etwa die Konflikte zwischen den USA und Nordkorea. Zudem laufe es in den nächsten Jahren wohl auf einen Machkampf zwischen den USA und China hinaus, mit Auswirkungen auf Europa. In Deutschland werde es zu einem signifikanten Rückgang der Produktion kommen, Industriearbeitsplätze entfielen, allerdings wegen des gleichzeitigen technologischen Fortschritts ohne negative Auswirkungen auf das Wachstum. Wohl aber mit Auswirkungen auf die Sozialsysteme, die umgebaut werden müssten.

Eine Apokalypse sei nicht abzuleiten. Auch wenn sich der deutsche Aktienmarkt „fest in ausländischer Hand“ befinde, bleibe er stabil. Kater empfahl privaten Anlegern, gerade in Zeiten von Null-Zinsen die im Übrigen eine Spätfolge der Krise von vor zehn Jahren seien einen Teil ihres Kapitals in Aktien anzulegen. (ew)


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