Blick ins All dank Hinterländer Technik

Wirtschaft 65 Tonnen schwere Spezialmaschine für Kunden in Südkorea wird in Quotshausen hergestellt

Sie präsentieren voller Stolz das neuste Produkt der Firma Schneider zur Herstellung von Speziallinsen für Teleskope (von links): Gunter Schneider, Helwig Buchenauer, Dalibor Mikulic und Klaus Hofmann. (Foto: Meistrell)

Maschinen zur Herstellung von optischen Linsen sind die Spezialität der Firma Schneider. Am ursprünglichen Firmensitz in Quotshausen ist in den vergangenen zwei Jahren das neuste, größte und schwerste Produkt des familiengeführten Unternehmens entstanden. Dieses stellte am Donnerstag Gunter Schneider zusammen mit Helwig Buchenauer, Klaus Hofmann und Dalibor Mikulic vor.

Auftraggeber ist ebenfalls ein mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen aus Südkorea. Mit „Green Optics“ macht das heimische Unternehmen seit 2014 Geschäfte, so Gunter Schneider. 14 Maschinen wurden bereits dorthin geliefert. Dann kam der Großauftrag und für den Schneider betreten Neuland musste. Denn einen Spezialapparat dieser Größenordnung hatte die Firma bisher noch nicht produziert. 

Bereits in der Entwicklungsphase stellte sich heraus, dass Schneider am Hauptstandort in Fronhausen die Maschine nicht erstellen konnte. Der Boden im Lahntal hätte dem enormen Gewicht des Produktes nicht standgehalten.

Also wurde in Quotshausen mit dem Aufbau und der Umsetzung begonnen. Gut ein Jahr lang dauerte die Realisierung der Pläne. In der Maschine werden optische Linsen mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Metern erstellt, die dann zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden.

Endprodukt ist das „European Extremely Large Telescope“ (E-ELT), das einen Hauptspiegel von 39 Metern Durchmesser haben wird, der aus 798 sechseckigen Spiegelelementen zusammengesetzt wird. Und eben diese Teile werden mit der Maschine von Schneider produziert. Das Teleskop wird in der chilenischen Atacamawüste errichtet und soll voraussichtlich 2024 in Betrieb genommen werden.

Optische Linsen für ein riesiges Teleskop in der chilenischen Wüste werden hergestellt

Die Spezialmaschine zur Herstellung der Spiegelelemente steht noch in Quotshausen im Perftal. Zur Fertigung einer Linse benötigt die Maschine rund 80 Stunden, so Schneider bei der Vorstellung. Dabei wird ein Materialabtrag von 40 Kilogramm erfolgen.

Gleich eine Vielzahl von Besonderheiten und technischen Herausforderungen galt es zu meistern. So müssen die Produkte allesamt bei konstanter Temperatur hergestellt werden. Das gilt für die Maschinenhalle selber wie auch für den Prozess in der Apparatur. Folglich gibt es ein ausgeklügeltes System an Mess- und Kühltechnik.

Und weil nur maximale Abweichungen von einem tausendstel Millimeter zulässig sind, muss die Maschine ganz speziell gelagert sein, dürfen auch beim Austausch der Werkzeuge keine Erschütterungen auftreten.

All das hat seinen Preis. Schneider schwieg zu den Kosten, die im siebenstelligen Bereich liegen. Er erhofft sich aber damit den Einstieg in ein weiteres Produktionsfeld seines Unternehmens. Es sei eine Investition in die Zukunft und man erhoffe sich auf diesem Spezialsektor gute Marktchancen.

Der Aufbau der Maschine in Quotshausen wurde von den Kunden aus Südkorea intensiv begleitet. Mehrfach waren Ingenieure des Auftragsgebers im Hinterland. Die nächste große Herausforderung wird der Transport sein.

In der Fertigungshalle in Quotshausen steht die Maschine, die 3,4 Meter breit, 4,7 Meter hoch und 2,8 Meter groß ist. Die kommt dann in ein spezielles, etwa zehn  Tonnen schweres Stahlgerüst, um transportfähig zu werden. Immerhin hat das mit schweren Granitteilen gebaute Hauptteil ein Gewicht von rund 60 Tonnen.

Auf Luftkissen soll es dann in Richtung Hallenausgang „schweben“. Dort werden Anfang März Spezialkräne warten, die die Maschine auf einen Schwertransporter heben.

Der muss um die Halle herum fahren und auf die Landesstraße in Richtung Breidenbach einbiegen. Dann geht es über Land zur Verschiffung nach Hamburg. Dort ist der Platz auf einem Schiff gebucht.

Rund sechs Wochen wird die Seefahrt durch das Mittelmeer, den Suezkanal, das arabische Meer bis nach Südkorea dauern. Vom Hafen in Pusan aus gibt es dann wieder einen Straßentransport.

Die Autobahnen in Südkorea seien gut, die Brücken aber nicht für diese Schwerlast geeignet, teilte Dalibor Mikulic mit. Also wird es eine spannende Tour über viele kurvenreiche Bergstraßen geben.

Beim Auftraggeber bereitet man schon die neue Halle für diese Maschine vor. Rund zwei Monate wird dann noch die Aufstellungs- und Einarbeitungszeit durch die Schneider-Fachleute vor Ort dauern.


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